Katzenball
«Ich habe 20 Jahre im Paradies gelebt», sagt die ältere Dame und meint die gemeinsame Zeit mit ihrer Lebensgefährtin bis zu deren Tod. Die 94-Jährige ist die älteste von fünf Frauen, die in «Katzenball» von ihrem Leben und Lieben erzählen. Die jüngste ist 26 Jahre und mit ihrer Freundin glücklich. Was die Porträtierten verbindet, ist ihre erotische Liebe zu Frauen, lesbische Liebe, auch wenn dieses Etikett nicht allen in gleicher Weise behagt. Jede der fünf Frauen positioniert sich auf ihre Weise, geprägt von dem gesellschaftlichen Klima, in welchem sie aufgewachsen ist. Zur Illustration werden Ausschnitte aus Filmen und Fernsehsendungen und anderes Material eingeblendet. So sind in Form einer Dokumentarcollage die einzelnen Lebensgeschichten mit der politischen Geschichte verwoben, Vorstösse und Rückschläge der Emanzipation, „die Szene“ zwischen privaten Clubs und öffentlichen Lokalen. Die Zwischenschnitte nehmen allerdings mit der Zeit ab, womöglich um Normalität und Akzeptanz zu suggerieren. Oder wird dadurch indirekt gefragt, ob denn das Private auch heute noch politisch ist, gerade in den Lebensentwürfen von Frauen? Der Film zumindest ist es, wenn er lesbisches Leben in der Schweiz nicht an einem anderen, exotischen Ufer dokumentiert, sondern als selbstbewussten Bestandteil der Gesellschaft.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Katzenball», Schweiz 2005, Regie: Veronika Minder, Dokumentarfilm mit: Johanna Berends, Heidi Oberli, Ursula Rodel, Liva Tresch, Samira Zingaro; Verleih: Filmcooperative Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch
Kinostart: 14. April
