Katholische Welt. Die Faszination der Bäume

Archaisch und mächtig stehen an Weggabelungen uralte Buchen, an Kapellen knorrige Eichen, am Brunnen vor dem Tore manchmal sogar ein Lindenbaum. Seit frühester Zeit hat der Mensch eine ganz besondere Beziehung zu Bäumen: Tief verwurzelt und zugleich hoch aufstrebend verbinden sie Himmel und Erde. Die Liedersammlung Edda beschreibt den Weltenbaum Yggdrasil, im Alten Testament wird gleich zu Beginn der Baum des Lebens erwähnt, für Christen entsteht aus dem Kreuzesbaum neues Leben. Ein ganz besonderer Baum in unserem Kulturkreis ist die Linde – sie war Gerichtsort, Treffpunkt des Dorfes, Baum der Fruchtbarkeit. Die Germanen hatten sie der Liebesgöttin Freya geweiht und verehrten die mächtigen Bäume. Das Christentum wollte die heidnische Baumverehrung unterbinden, doch die Faszination der Pflanzen war zu gross – und so entstanden neue, christliche Mythen und Heiligengeschichten um markante Bäume