Julieta
Ein berührendes Drama über Schuld und Vergebung: Das ist dem spanischen Regisseur Pedro Almodóvar mit «Julieta» gelungen. Wiederum sind es die Frauen, die im Mittelpunkt dieser tragischen Geschichte stehen. Sie sind aber nicht nur Leidende, sondern auch der Ursprung einer schöpferischen Kraft, die alle Tiefschläge des Lebens überwinden kann. Erzählt wird die Geschichte eines mysteriösen Verschwindens. Julieta verliert ihre Tochter Antía aus den Augen, als diese mit achtzehn Jahren einfach abreist, ohne Angabe von Adresse und Verbleib. Julieta wird dadurch auf sich selbst zurückgeworfen. Sie entdeckt ihre eigene Schuld und die tragische Verstrickung, die ihre Tochter von ihr fortgetrieben hat.
In einer kunstvollen Schachtelung von Erzählebenen zeigt Almodóvar die Mutter-Tochter-Beziehung, geht ihrem Ursprung nach, den traumatischen Erlebnissen und Schuldzuschreibungen. Er zeigt auch die existentiellen Auswirkungen dieser Trennung bis in die Gegenwart. Im Grunde kann sich der Regisseur – vor seinem spanischen Hintergrund – gar nicht vorstellen, dass dieses Auseinanderbrechen von Familie möglich ist. Und doch umkreist er meisterhaft die Leerstelle, die die verschwundene Tochter im Leben von Julietta hinterlässt. Der Film basiert auf drei Geschichten von Alice Munro. Das Werk ist voll von magischen Momenten, wunderbar verführend, existentiell berührend und nicht zuletzt menschlich.
Charles Martig, Filmjournalist Katholisches Medienzentrum
«Julieta», Spanien 2016, Regie: Pedro Almodóvar, Besetzung: Emma Suárez, Adriana Ugarte, Daniel Grao; Verleih: Pathé Films AG, Internet: http://www.pathefilms.ch
Kinostart: 19. Mai
