Journey to Jah

Der deutsche Reggae-Musiker Tilman Otto alias Gentleman und der Sizilianer Alberto d’Ascola alias Alborosie pflegen in Jamaika seit Jahren den Austausch mit Kultur und Musikern. Doch handelt der Film nicht von zwei Aussteigern, sondern vor allem von der Bedeutung der Musik, von Spiritualität und Lebenssinn. Dynamisch gefilmt und klug mit den Reggae-Rhythmen montiert erzählt der Film auch von sozialer Ungerechtigkeit und Armut: Im Ghetto geht es jeden Tag ums Überleben. Eine, die den Weg auf die grossen Bühnen aber geschafft hat, ist die Dancehall-Musikerin Terry Lynn.

Eng mit der Musik verknüpft ist die Rastafari-Bewegung, auf die der Titel des Films verweist. Eine jamaikanische Literaturwissenschaftlerin erläutert die Hintergründe, und Gentleman und Alborosie reflektieren über ihre Nähe zum Rastafarianismus, der in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielt. Erfrischend unverblümt sind die Kommentare des Reggae-Musikers Jack Radics, der Lehren hinterfragt und den Rastafarianismus als «dogmatisch wie jede andere Religion» bezeichnet. Der Film ist fern von oft zelebrierten Jamaika-Klischees. Nicht zuletzt werden auch negative Aspekte wie Homophobie und Frauenfeindlichkeit in der Dancehall-Szene angesprochen. Gerade wegen seines Facettenreichtums gelingt den beiden Regisseuren ein dichter, ausgewogener Film mit geistreichen Dialogen, tiefgreifenden Betrachtungen und Szenen, die haften bleiben.

Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch

«Journey to Jah», Deutschland / Schweiz 2013, Regie: Noël Dernesch, Moritz Springer; Verleih: Look Now! Filmdistribution Zürich, Internet: http://www.looknow.ch

Kinostart: 20. März 2014