Je vais bien, ne t’en fais pas

Als Lili aus den Ferien heimkehrt, erfährt sie, dass ihr Zwillingsbruder Loïc nach einem Streit mit dem Vater von zu Hause abgehauen ist. Je länger er nichts von sich hören lässt, desto verzweifelter wird die knapp 20-Jährige. Schliesslich isst sie nichts mehr, wird ins Krankenhaus eingewiesen, zwangsernährt, siecht dahin. Bis plötzlich ein Brief von Loïc ankommt. „Keine Sorge, mir geht’s gut“, steht drin. Lili geht’s jetzt auch besser. Aber sie lässt sich treiben, sucht immer wieder nach dem Verschwundenen.

Seltsam: Obwohl einem das Familiendrama vom Ende her betrachtet psychologisch und auch sonst völlig unglaubwürdig vorkommen muss, nimmt man das dem Film nicht übel, denn zu diesem Zeitpunkt liegt man ihm (und seiner Hauptdarstellerin) längst zu Füssen. Das mag an Philippe Liorets geschultem Auge für ein Milieu liegen, an seinen präzisen Schilderungen des Vorstadthäuschens, der gemeinsamen Mittagessen der Familie, der Enge und auch der Geborgenheit, die dem allen innewohnt. In erster Linie verdankt es sich aber der Präsenz von Mélanie Laurent (was die Leistung der anderen Schauspieler, allen voran die von Kad Merad als Vater, nicht schmälern soll). Ihr Gesicht, in dem sich Leid, Fragilität oder Entschlossenheit spiegeln, trägt die Handlung in beinahe jeder Szene. Zu Recht wurde sie in Frankreich als Entdeckung gefeiert und mit dem Prix Romy Schneider ausgezeichnet.

Julia Marx, Filmkritikerin und Filmwissenschaftlerin

„Je vais bien, ne t’en fais pas“, Frankreich 2006, Regie: Philippe Lioret, Darsteller: Mélanie Laurent, Kad Merad, Isabelle Renauld; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch

Kinostart: 26. April