Jahre des Untergangs – Farbfilme aus Bayern 1939–1945

Mehr als 70 Jahre lagen Farbfilmrollen teilweise unentdeckt auf Dachböden oder in Archiven. Die Regisseurinnen Despina Grammatikopulu und Michaela Wilhelm-Fischer haben die Familiengeschichten hinter den Privatfilmen erforscht. Wo beginnt es, das Böse? Alltägliche Szenen sind zu sehen: Eine Hochzeit, der Bräutigam in SS-Uniform, glückliche Gesichter, liebevoll gefilmt – nur einen Monat vor Kriegsausbruch. München am «Tag der Deutschen Kunst», Hitlers Lieblingsstadt versinkt im schwarzweissroten Fahnenmeer. Begeisterte Menschen, verführt vom Gemeinschaftsgefühl. Die Politik ist allgegenwärtig: Vor der Madonnenfigur weht das Hakenkreuz. Auf dem Faschingsumzug in Nürnberg hängen Klischee-Juden aus Pappmaché am Galgen. Die Unbeholfenheit und die Privatheit der Filmszenen schaffen eine fast unerträgliche Nähe. Jeder Einzelne ist ein Zahnrad im grossen Ganzen. Und dann im Mai 1945: Amerikanische Soldaten filmen die Befreiung von Dachau: Das Unsagbare in Grossaufnahme, der Zivilisationsbruch in Farbe. «Jahre der Verführung. Jahre des Untergangs» – ein einzigartiges Dokument der Zeitgeschichte