Jagdszenen aus Niederbayern

Eine idyllisch anmutende Gemeinde in Niederbayern: Gemeinsam holt man die Ernte ein, mit vereinten Kräften wird ein Schwein geschlachtet. Parallel dazu jedoch wirken die unerbittlichen Mechanismen der Ausgrenzung von «Andersartigen» – darunter leiden besonders das als Dorfhure verschriene Dienstmädchen, der Gastarbeiter und der geistig zurückgebliebene Sonderling. Einen Sonderstatus hat auch der 20-jährige Abram. Die Nähe der Dorfbewohner zum hilfsbereiten jungen Mann kippt alsbald in kalte Ablehnung, und Abram wird zum Objekt ihrer Gehässigkeit. Die unerträgliche Spannung entlädt sich erst, als in einer tragischen Wendung das Opfer selbst zum Täter wird. Eindrucksvoll zeigt der Film, wie Gewalt auch und gerade von den Mitläufern ausgeht, bevor sie eskaliert. Mitdiesem Film steht Regisseur Peter Fleischmann am Anfang einer Tradition des kritischen Heimatfilms, der in den 1960er-Jahren damit begann, die Postkartenidylle zu zerstören, die der traditionelle deutsche Heimatfilm nach dem Zweiten Weltkrieg beschwört hatte.