Iris

Ein Kinofilm zum Thema Alzheimer, auch wenn er mit herausragenden Schauspielern besetzt ist – wer will da hingehen? Die Krankheit ist im Spielfilm bisher kaum vorgekommen, ausser etwa in der überraschenden Produktion «Sommerschnee» von Ann Hui. Jetzt kommt mit «Iris» von Richard Eyre der Film über eine lebenslustige Frau ins Kino, die in England eine gefeierte Schriftstellerin und Philosophin gewesen ist und 1997 nach einer nur zwei Jahre langen Alzheimer-Demenz gestorben ist. Über vierzig Jahre war sie mit dem Literaturprofessor John Bayley verheiratet, und der Film basiert auf seinen publizierten Erinnerungen «Elegie für Iris» und «Iris and Her Friends».

Er beginnt in den 90er Jahren mit einem festlichen Dinner, wo Iris Murdoch (Judi Dench) in ihrem ehemaligen College vor einer erlauchten Gesellschaft eine geistreiche Rede hält und sich John (Jim Broadbent) an den Moment erinnert, wo ihm Iris vorgestellt wurde und er sich, von ihr sofort bezaubert, an seinem Wein verschluckte.

Die beginnende Romanze hat ihre Bewährungsproben zu bestehen, denn Iris liebt ihre Freiheit und ihre kreativen Kräfte und Lebensphasen fordern von ihrem Partner Verständnis und Opfer. Aber John bleibt Iris treu, auch dann, als die Ärzte bei ihr aufgrund von auffälligen Gedächtnisstörungen eine Alters-Demenz diagnostizieren und ihre geistigen Kräfte zunehmend schwinden. Ihr Zustand verschlechtert sich relativ schnell; sie wirkt abwesend, gefühllos und scheint selbst Gefahren nicht wahrzunehmen, wenn sie z.B. unbemerkt und ungepflegt das Haus verlässt und sich im Strassenverkehr verliert. Wie Judi Dench diese Rolle spielt, ist von einer starken, fast dokumentarischen Qualität. Und wie einfühlsam Jim Broadbent die Rolle des sich aufopfernden John spielt, der mit berührender Achtsamkeit auf seine Iris aufpasst, bleibt das Geheimnis seiner Liebe und ist eher tragisch als rührselig.

Hans Hodel, Filmbeauftragter Reformierte Medien

«Iris», GB/USA 2001, Regie: Richard Eyre, Besetzung: Judi Dench, Jim Broadbent, Kate Winslet, Hugh Bonneville, Verleih: Rialto Film AG, Neugasse 6, 8005 Zürich, Telefon: +41 (0)1 444 22 77, Fax: +41 (0)1 444 22 80, http://www.rialto.ch, Kinostart: 16. Mai