Inversion

Die Mitdreissigerin Niloofer lebt zusammen mit ihrer lungenkranken Mutter in Teheran und führt erfolgreich die Schneiderei ihres verstorbenen Vaters. Mit ihrem Jugendfreund Soheyl, der vor kurzem in die Stadt zurückgekehrt ist, verbindet sie eine zarte Liebe. Doch das selbstbestimmte Leben der Iranerin wird durch die akute Verschlechterung des Zustands ihrer Mutter plötzlich infrage gestellt. Diese muss dringend raus aus dem versmogten Teheran. Niloofers ältere Geschwister entscheiden, dass sie, die Unverheiratete, die Mutter aufs Land begleiten und dort pflegen muss. Niloofer liebt ihre Mutter, aber auch ihr freies Leben in der Stadt. Ihr erfolgloser Bruder Farhad verkauft die Schneiderei und ihre Schwester Homa beginnt den Umzug zu organisieren. Doch Niloofer begehrt auf, sie will nicht die unmündige kleine Schwester sein. Sie muss selbst eine Entscheidung treffen. Behnam Behzadis ruhig erzählte Emanzipationsgeschichte berührt auch deshalb, weil die Zerrissenheit der Protagonistin zwischen Pflichtgefühl und dem Wunsch nach Unabhängigkeit für ein westliches Publikum absolut nachvollziehbar ist. Die Kamera verharrt immer wieder auf Niloofers Gesicht, auf dem sich der innere Kampf, die Verzweiflung abzeichnet. Die Lösung, für die sie sich letztendlich entscheidet, ist zwar nicht melodramatisch, sondern pragmatischer Natur, aber autonom getroffen und zukunftsorientiert.

Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp

«Inversion» («Varoonegi»), Iran, 2016, Regie: Behnam Behzadi, Besetzung: Sahar Dolatshahi, Ali Mosaffa, Roya Javidnia, Verleih: cineworx gmbh http://www.cineworx.ch

Kinostart: 08.06.2017

http://cineworx.ch/movie/in/