Incendies

Familiengeschichte, Kriegsdrama und griechische Tragödie: mit dieser Kombination von Gattungen erzählt der junge Kanadier Denis Villeneuve die Geschichte aus einem arabischen Land. Nawal Marwan ist in ihrer kanadischen Wahlheimat verstorben und hinterlässt ihren beiden Kindern je einen Brief für den unbekannten Vater und den verschollenen Bruder. Die beiden erwachsenen Kinder Jeanne und Simon machen sich auf den Weg in ihre Vergangenheit. Sie erforschen die dramatische Geschichte ihrer Mutter Nawal und entdecken sie als politische Agitatorin und Kriegsversehrte, als Opfer der Gewalt und Gewalttäterin.

In episch gestalteten Rückblenden nimmt der Film die Geschichte in einem arabisch-sprachigen Land auf, das in einen erbarmungslosen Bürgerkrieg verstrickt ist. Nawal ist eine starke junge Frau, die Grenzen überschreitet und sich in die politische Auseinandersetzung einmischt. Sie wird selbst Teil des Krieges und seiner Mechanismen. Der grosse Schock der Kinder tritt ein, als sie feststellen, dass ihre Mutter während 15 Jahren im Gefängnis war. Als «La femme qui chante» ist Nawal in die Erinnerung des politischen Widerstands eingegangen. Es offenbart sich ein vollständig neues Bild der Mutter, die an einem tragischen Schicksal zerbricht. Mit grosser erzählerischer Kraft zeigt Villeneuve diese Tragödie, die sowohl eine Referenz an moderne Bürgerkriege als auch an den klassischen Ödipus-Mythos ist.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst

«Incendies», Kanada 2010, Regie: Denis Villeneuve; Besetzung: Lubna Azabal, Mélissa Désormeaux-Poulin, Maxim Gaudette, Rémy Girard; Verleih Filmcoopi, http://www.filmcoopi.ch; Filmwebsite: http://incendies-lefilm.com

Kinostart: 21. April 2011