In the Name of …
Der homosexuell veranlagte Priester ist bereits ein Klischee der Medienwelt; gerade wenn es sich wie hier um einen katholischen Priester in einem Auffangzentrum für Jugendliche handelt. Wer jedoch die Bestätigung seiner Vorurteile gegenüber dem katholischen Klerus sucht, liegt völlig falsch. Es gelingt der polnischen Regisseurin Małgośka Szumowska dem Thema etwas Neues abzugewinnen. Mit einem ehrlichen und unverfälschten Blick auf den Priester Adam zeigt sie auf, wie schwierig die Sublimierung der eigenen Sexualität ist: Mit der Begierde konfrontiert gibt es für Adam Momente der Angst und des Glücks. Verdrängung und Einsamkeit führen den Priester in die tiefste Verzweiflung und doch gibt es für ihn eine Lösung.
Szumowska ist als säkulare, polnische Filmschaffende prädestiniert für diese Geschichte: mit Symbolen aus der Passionsgeschichte erzählt sie von den Leiden des dynamischen und charismatischen Mannes, der mit seiner verbotenen Lust konfrontiert ist. Dabei zeigt sie auch sehr differenzierte Bilder von der Dynamik unter den Jugendlichen, den Beziehungen zu Mitbewohnerinnen im Zentrum und von alltäglichen Fallen einer verbotsorientierten Moralvorstellung. Das Hauptaugenmerk auf die Vereinsamung des Priesters in der polnischen Provinz ist Kritik und aufrichtige Anteilnahme zugleich; ein Film der mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«In the Name of» («W imię …»), Polen 2012, 96 Minuten, Regie: Malgośka Szumowska, Besetzung: Andrzej Chyra, Mateusz Koszciukiewicz, Maja Ostaszewska, Verleih: Xenix Filmdistribution, http://www.xenixfilm.ch
Kinostart: 2. Januar 2014
