Import Export

Wie der Titel besagt, geht es in «Import Export» um das ökonomisch motivierte Überschreiten von Grenzen. Da ist die junge Olga, die mit Mutter und Kind in einem Plattenbau ohne fliessendes Wasser in der Ukraine lebt. Da sie als Krankenschwester schon lange kein volles Gehalt mehr gesehen hat, räkelt sie sich für einen Internetsexanbieter nackt vor der Webcam. Später geht sie nach Wien, wo sie schliesslich in der Geriatriestation putzt. Der Wiener Pauli scheitert als Sicherheitsmann, macht Bewerbungskurse und Schulden. Schliesslich begleitet er seinen ekligen Stiefvater zum Automatenaufstellen in den Osten.

Grenzen – ästhetische, geschmackliche – überschreitet auch der Österreicher Ulrich Seidl regelmässig in seinen Filmen, seien sie dokumentarisch oder fiktional. Beide sehen bei ihm recht ähnlich aus: Sie bestehen aus einer Reihe langer, distanzierter Blicke auf Elend, Bosheit und Erniedrigung. Das kann man für zynische Zurschaustellung oder mutige Kompromisslosigkeit halten (die meisten Kritiker tendieren zu letzterem), es ist jedenfalls oft schwer erträglich. Doch diesmal flackert doch immer wieder etwas Menschlichkeit auf, es wird gar eine gewisse Sympathie für die halbwegs sich selbst spielenden Hauptfiguren spürbar. Olga und Pauli kämpfen um ihren letzten Rest Würde, sie weigern sich, ihren trotz allem noch vorhandenen Anstand aufzugeben. Und es besteht zumindest die Hoffnung, dass ihnen das weiterhin gelingen wird. Für Seidls Verhältnisse fast schon ein Happy End.

Julia Marx, Filmkritikerin und Filmwissenschaftlerin

«Import Export», Österreich 2007, Regie: Ulrich Seidl, Besetzung: Ekateryna Rak, Paul Hofmann, Michael Thomas; Verleih: Xenix Filmdistribution, Internet: http://www.xenixfilm.ch, Filmwebsite: importexport.ulrichseidl.com

jetzt im Kino