Im Zentrum das gesprochene Wort
In der zwölfteiligen Dokumentationsreihe „Die Apokalypse“ verlassen sich die Regisseure Gérard Mordillat und Jérôme Prieur in immer gleich nüchterner Umgebung ganz auf das gesprochene Wort. Dieter Bauer, Leiter der Bibelpastoralen Arbeitsstelle des Schweizerischen katholischen Bibelwerks, hat sich die erste Folge angesehen.
Worum geht es in der ersten Folge „Die Synagoge des Satans“?
Die Sendung bietet eine gute Hinführung zur Offenbarung des Johannes, ein Buch, das doch für viele Menschen ein „Buch mit sieben Siegeln“ ist. Da wird zum einen der Begriff „Apokalypse“ geklärt, dann geht es um den Autor des Buches und die Situation der frühen christlichen Gemeinden in Kleinasien, für die das Buch am Ende des ersten Jahrhunderts verfasst wurde. Man erfährt einiges über die christliche Naherwartung, die apokalyptische Grundstimmung der Zeit und auch das Herauswachsen der christlichen Gemeinden aus dem Judentum.
Wofür steht der Begriff „Die Synagoge des Satans“?
Nach Aussage der Autoren ist die „Synagoge des Satans“ ein Deckname für die Gegner des Johannesapokalyptikers. Sie identifizieren diese als Konkurrenten im Kampf um neue Gemeindemitglieder, die vor allem aus den dem Judentum bereits nahe stehenden sogenannten „Gottesfürchtigen“ gewonnen werden. Diese Konkurrenz zwischen jüdischen und (juden)christlichen Gemeinden hat es sicher gegeben. Wo der Film allerdings die absolute Sondermeinung einer kleinen Minderheit von Exegeten und Exegetinnen vertritt, ist darin, dass die „Synagoge des Satans“ einfach mit den Gemeinden des Apostels Paulus identifiziert wird. Das hat mich dann doch sehr überrascht und vor allem in keiner Weise überzeugt. Eher müsste man sagen, dass Paulus in seinen Gemeinden ähnliche Probleme vorfindet (z. B. Kompromisse mit dem Kaiserkult) – sie aber anders löst als der Verfasser der Johannesoffenbarung. Aber dass sich die Mitglieder der Paulusgemeinden als „Juden“ bezeichnet hätten, denen in der Johannesoffenbarung dann ihr Judesein abgesprochen wird (Offb 2,9), ist dann doch sehr weit hergeholt.
Wie gehen die beiden Regisseure bei der Erarbeitung des Themas vor?
Die Regisseure reihen vor allem einen Redebeitrag an den anderen. Verschiedenste Bibelwissenschaftler aus der ganzen Welt – darunter auch eine Bibelwissenschaftlerin – erzählen in immer gleich nüchterner Umgebung von ihren Erkenntnissen. Dazwischen gibt es wenige verbindende Texte und nur ab und zu Abbildungen alter Handschriften. Das heisst, die Regisseure verlassen sich total auf das gesprochene Wort. Für das Auge wird nicht viel geboten.
Was hat Ihnen an dieser ersten Folge gefallen, was weniger?
Beim ersten Ansehen habe ich mich vor allem gelangweilt und habe erst gegen Ende gestutzt, als eben diese Sondermeinung zur „Synagoge des Satans“ vertreten wurde. Erst beim zweiten Ansehen habe ich gemerkt, dass die Redebeiträge eigentlich ganz klug aufeinander bezogen sind und sich ergänzen. Eine solche zweite Chance haben Fernsehzuschauer aber im Allgemeinen nicht, ausser sie besorgen sich die DVD.
Wem würden Sie die Sendereihe empfehlen?
Alle die an der Bibel und speziell an der Johannesoffenbarung interessiert sind. Die erste Folge ist sehr informativ, aber ausser der seltsamen und kaum vertretenen Deutung der „Synagoge des Satans“ werden keine Sensationen geboten. Die Sendereihe ist für Interessierte sicher ein Gewinn, wenn sie sich – entgegen herkömmlicher Sehgewohnheiten – vor allem auf das gesprochen Wort konzentrieren.
Die Fragen stellte Monica Lienin, Redaktorin Medientipp
monica.lienin@medientipp.ch
| Die zwölf Folgen von „Die Apokalypse“ werden vom 3. bis 20. Dezember 2008 auf Arte ausgestrahlt, jeweils mittwochs und samstags, um 21.00 Uhr.
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