I wish

Was machen, wenn man am Fuss eines Vulkans wohnen muss und sich über Asche auf Kleidern und Möbeln ärgert? Und vielmehr noch was machen, wenn die Eltern getrennt leben und man sich doch eine richtige Familie wünscht? Der 12-jährige Koichi ist alles andere als zufrieden mit seinem Leben, bis er in der Schule hört, wie Wünsche in Erfüllung gehen könnten. Man müsste sie nämlich dort äussern, wo sich gerade zwei Hochgeschwindigkeitszüge kreuzten. So plant er gemeinsam mit seinem entfernt lebenden jüngeren Bruder Ryu, sich am Knotenpunkt der neuen Shinkansen-Linie zu treffen.

Der japanische Regisseur Hirokazu Kore-eda ist bekannt für sensible, tiefgründige Filme; die Familienthematik ist ihm wichtig. In «I wish» stellt er wie in «Nobody knows» wieder Kinder ins Zentrum. Beiden Brüdern sind ein paar Freunde beigesellt und damit die Bandbreite kindlicher Erfahrungswelten erweitert. Noch leben sie alle ganz in ihren kindlichen Träumen, doch allmählich lernen sie, die Welt um sich herum wahrzunehmen, wie sie ist – zwar nicht immer süss wie ein Reiskuchen, aber auch nicht immer grau wie ein Ascheregen. Der Film erzählt dies bedächtig, poetisch und doch realistisch. Der Originaltitel ist das japanische Wort für «Wunder» und eigentlich würde «Miracle» als internationaler Titel besser passen. Denn die Kinder lernen auf ihrer Reise, wie Wünsche sich ändern können und dass ein Wunder nicht unbedingt die Erfüllung eines Wunsches sein muss.

Christine Stark, reformierte Filmspezialistin
christine.stark@ref.ch

«I wish» («Kiseki»), Japan 2011, Regie: Hirokazu Kore-eda, Besetzung: Koki Maeda, Ohshiro Maeda, Nene Ohtsuka, Joe Odagiri, Kirin Kiki; Verleih: Frenetic Films, http://www.frenetic.ch

Kinostart: 23. August 2012

«I wish» ist unser Film des Monats August und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv