Hörspiel. «Obsi» von Heinz Stalder
In der kunstvoll verdichteten Mundart-Groteske von Radio-Autor Heinz Stalder schleppen ein alter Bauer und sein Sohn unentwegt mit Brunnenwasser gefüllte Chianti-Flaschen über die Jauchegrube zu einer hölzernen Stellage, um sie schliesslich in einem Zuber zu entleeren. Sie stehen unter Beobachtung der überaus dicken und schweigenden Mutter und Frau. Der Alte und der Junge führen Streitgespräche über Kriegserlebnisse, nächtliche Träume und die Bedrohung des Dorfes durch den unaufhaltsamen Fortschritt. Schliesslich merkt man: Die Männer bereiten ein therapeutisches Bad gegen die Fettleibigkeit der Bäuerin vor. Vierzig Jahre nach der Entstehung entwickelt Heinz Stalder die Geschichte der Bauernfamilie weiter. Die Enkelin entdeckt bei der Grossmutter die Stellage mit den leeren Chianti-Flaschen und wird neugierig. Die Grossmutter beginnt sich zu erinnern, vieles kommt wieder hoch, «obsi» eben. Insbesondere erinnert sie sich daran, dass damals ein Autor ein Theaterstück über ihre Familie geschrieben und sie zu einer Hauptfigur gemacht habe – Entstellungen inbegriffen
