Hereafter
Bei der Darstellung von jenseitigen Welten sind Regisseure immer in einem Dilemma: Entweder zeigen sie zu viel und verraten dadurch ihr blindes Vertrauen ins Bild, oder sie trauen sich nicht und bleiben in der reinen Andeutung. Clint Eastwood geht in seinem Drama «Hereafter» einen gelungenen Mittelweg. Beim Nahtoderlebnis einer Journalistin zeigt er den typischen Tunnelblick in einen Lichtkanal und schemenhaft menschliche Konturen. Zu diesem Einstieg ins Thema gruppiert er die Geschichte eines Mediums, das den Kontakt zur Welt der Toten eher als Fluch, denn als Segen wahrnimmt. Ein dritter Strang erzählt von einem Zwillingspaar, das in der Kindheit durch einen Autounfall getrennt wird. Die verzweifelte Suche nach dem toten Bruder ist hier die Triebfeder für den weiteren Verlauf. Auf wundersame Weise kreuzen sich die drei Geschichten.
Gemeinsam ist den Figuren ihre Erfahrung mit dem Tod, der sie auf einer existenziellen Dimension miteinander zu verbinden scheint. Clint Eastwood übt sich in Altersweisheit und zeichnet mit grosser Selbstverständlichkeit die entscheidenden Fragen des Lebens auf die Leinwand. Mit «Million Dollar Baby», «Gran Torino» und zuletzt «Hereafter» entwickelt er Dramen mit einer Tiefendimension, die im Hollywood-Kino heute sehr selten ist. Dabei berührt er durch ein starkes Kino der Emotionen, das den Schauspielern Raum lässt für die glaubwürdige Darstellung von Schicksalen.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Hereafter», USA 2010, Regie: Clint Eastwood, Besetzung: Matt Damon, Cécile de France , Bryce Dallas Howard, Jay Mohr, Richard Kind; Verleih: Warner Bros. Pictures., Filmwebsite: http://www.hereafter.ch
Kinostart: 27. Januar 2011
