Hedi
Der 25-jährige, introvertierte Tunesier Hedi steht kurz vor seiner arrangierten Hochzeit. Seine Mutter, die bisher sein Leben fest im Griff hatte, bestimmt auch die Planung des grossen Festes. Doch dann wird Hedi, der für eine Peugeot-Vertretung arbeitet, von seinem Chef zur Akquise in eine Tourismusregion geschickt. Dort verliebt er sich in die offene und lebenslustige Animateurin Rym und muss zum ersten Mal eine eigene Entscheidung treffen.
Der erste Spielfilm des bisherigen Kurzfilmregisseurs Mohamed Ben Attia reflektiert an der Geschichte eines einzelnen jungen Tunesiers die Befindlichkeiten einer Generation und eines Landes im Umbruch. Die Auswirkungen des Arabischen Frühlings sind nicht in jeder Einstellung sichtbar, aber dennoch immer spürbar, im Verhalten, im Ausdruck, in Gesprächen («Wo warst du am 14. Januar?»). Der schwelende Mutter-Sohn-Konflikt zeigt auf, wie gross die Schere ist zwischen Traditionen, an denen die Alten festhalten wollen, damit etwas von Bestand ist, und dem Wunsch der Jungen nach einem Aufbruch, nach Veränderung, weil ihnen die Luft zum Atmen fehlt. Die Revolution, die hier geschieht, ist eine stille. Doch sie ist deshalb nicht weniger bewegend, denn Hedis Welt wird in ihren Grundfesten erschüttert.
Seine Weltpremiere feierte der Film an der Berlinale 2016 und gewann dort den Preis für den besten Erstlingsfilm und den Silbernen Bären für Hauptdarsteller Majd Mastoura, der die innere Zerrissenheit seiner Figur eindringlich darstellt.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
«Hedi», Tunesien/Belgien/Frankreich/Katar/Vereinigte Arabische Emirate 2016, Regie: Mohamed Ben Attia, Besetzung: Majd Mastoura, Rym Ben Messaoud, Sabah Bouzouita; Verleih: Xenix Filmdistribution, http://www.xenixfilm.ch
Kinostart: 22. September 2016
