Hanezu no tsuki

Naomi Kawase ist eine Bildmagierin. Sie liebt die mystische Natur und das Verweisen auf Wirklichkeiten hinter der realen Oberfläche. So ist eine Liebesgeschichte zwischen drei Menschen für sie nicht nur ein menschliches Drama. Eingefasst in eine archäologische Suche tauchen hier Geister der Vergangenheit auf und mischen sich ein. Doch diese Gestalten sind nur für diejenigen wahrnehmbar, die achtsam darauf hören, was die Vergangenheit und die Natur zu sagen haben. Für westliche Augen ist diese Zugangsweise fremd: die tastende Suche nach den Wurzeln einer verlorenen Kultur, die nur noch als vages Bild vorhanden ist.

Die Dreiecksbeziehung zwischen der Textilfärberin Kayoko, dem Werber Tetsuya und dem bildenden Künstler Takumi ist deshalb mehr als eine gewöhnliche Ménage a trois. Die Dramatik dieser Liebesgeschichte ist eingebettet in das Universum, in die Zeit und in den Ahnenkult. Zwei männliche Berge kämpfen in der Mythologie um die Liebe eines weiblichen Berges. Die Parallele von damals und heute ist deutlich und doch wandelbar. So erweist sich die Natur als die eigentliche Hauptdarstellerin in dieser feinfühligen Suche nach den Konstanten in einer Welt des stetigen Wandels. Die Bilder vermitteln Eindrücke und Empfindungen, die Worte allein nie zum Ausdruck bringen könnten. Hier umkreist eine Mystikerin ihre unsichtbaren Orte und nimmt uns mit in eine filmische Meditation.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Hanezu no tsuki», Japan 2011, Regie: Naomi Kawase, Besetzung: Tohta Komizu, Hako Oshima, Tetsuya Akikawa; Verleih: trigon-film, http://www.trigon-film.org

Kinostart: 26. Juli 2012