„Halleluja!“ – Grosses Interesse am Schweizer Film

Die 39. Solothurner Filmtage, die vom 19. bis 25. Januar stattfanden, sind auf grosses Interesse gestossen. Der Publikumsandrang war unvermindert stark und die Präsenz von Gästen aus der Romandie auffallend. Während der Woche wurden Podien unter dem Titel „Reden über Film“ durchgeführt, die reges Interesse und ein diskussionsfreudiges Publikum anzogen. Über kulturelle Werte und kommerzielle Erwartungen wurde ebenso debattiert wie über Sinn und Zweck des Schweizer Filmpreises, den zunehmenden Kinoerfolg des Dokumentarfilms und die Frage, ob die Schweiz mehr Filmstars brauche.

Halleluja!

Ein Höhepunkt des Programms war die Vorführung des Dokumentarfilms „Halleluja! Der Herr ist verrückt“ von Alfredo Knuchel. Der Berner Filmemacher porträtiert sechs Waldau-Patienten, die ihren Weg zwischen psychischer Krankheit und Überlebenswillen mit kreativen Mitteln gehen. Peter Guyer und Norbert Wiedmer haben sorgfältige und einfühlsame Bilder gefunden, um sich diesen Menschen anzunähern. Ihre Werke stehen in enger Verbindung zum Schaffen von berühmten Autoren und Künstlern wie Adolf Wölfli, Friedrich Glauser oder Robert Walser. Der Film gibt Einblick in den kreativen Schatz der Waldau und folgt dabei dem Abwart auf seinen Kontrollgängen und Führungen. Knuchel geht von den vorgefundenen Atmosphären und Personen aus, lässt sie sprechen und respektiert dabei ihre Sicht der Dinge. Neben Schmerz und existenzieller Not ist dabei auch eine gute Portion Ironie und bewegtes Leben zu spüren.

Überzeugende Kurzfilme

In der Sektion „Filmschulen“ waren die Ergebnisse der Diplomfilmprojekte des Studienjahres 2003 zu sehen. Darunter befanden sich auch Filme, die von den Kirchen unterstützt wurden: „Pas de deux“ von Lawrence Grimm, „Belmondo“ von Annette Carle, „Alle meine Mütter“ von Meret Nora Burger und „Züri Ost“ von Béla Battyany sind Beispiele für die Nachwuchsfilme, die von der röm.-kath. Zentralkommission des Kantons Zürich einen Förderbeitrag erhielten. Dass diese kleinen Perlen auch ihren Weg ins Kino finden, beweist die gewiefte Produzentin Meret Nora Burger: Ihr Diplomfilm wird in den Schweizer Kinos als Vorfilm zu Jim Sheridans „In America“ gezeigt. „Alle meine Mütter“ zeigt die Situation einer jungen Mutter im Geburtshaus, die von ihrer Patchwork-Familie besucht wird. Es handelt sich um eine ironische Studie über das Konfliktpotential einer allein erziehenden Mutter, die mit einer Vielzahl von zerstrittenen Grosseltern konfrontiert ist.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

Offizielle Website:
http://www.solothurnerfilmtage.ch

„Halleluja! Der Herr ist verrückt“
http://www.frenetic.ch

Kurzfilme der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich
sfv.hgkz.ch/diplomfilme/index.html

Preise der 39. Solothurner Filmtage

Schweizer Filmpreis:
Ausgezeichnet wurden in den Kategorien „Bester Spielfilm“ „Meine Name ist Bach“ von Dominique Rivas, „Bester Dokumentarfilm“ „Mais im Bundeshuus – Le Génie Helvétique“ von Jean-Stéphane Bron und „Bester Kurzfilm“ „L´escalier“ von Frédéric Mermoud. Die Preise für die „Beste Hauptrolle“ und die „Beste Nebenrolle“ erhielten Bettina Stucky für ihre Rolle im Film „Meier Marilyn“ und Gilles Tschudi für seine Rolle in „Mein Name ist Bach“. Ferner wurde der neu geschaffene Preis der Jury Corinna Glaus für das Casting des Films „Achtung, fertig Charlie!“ zugesprochen.

Mitglieder der Jury:
Stephan Eicher (Präsident), Musiker
Sabine Timoteo, Schauspielerin und Gewinnerin des Schweizer Filmpreises 2003
Nurith Aviv, Kamerafrau und Regisseurin
Laurence Mermoud, Fernsehjournalistin und Drehbuchautorin
Marcel Hoehn, Produzent und Inhaber der Firma T&C Film
Fulvio Bernasconi, Regisseur
Konstantin Wulff, Publizist und ehemaliger Leiter der „Diagonale“ Graz

http://www.swissfilms.ch/prize.asp

Die 40. Solothurner Filmtage werden vom 24. bis 30. Januar 2005 stattfinden.