Glaube – Hoffnung – Liebe

Die Ökumenische Jury hat bereits die Hälfte der Filme im internationalen Wettbewerb von Locarno gesichtet. Ein Höhepunkt ist „Contre toute espérance“ des kanadischen Regisseurs Bernard Émond. Ausserhalb des Wettbewerbs hat der Schweizer Bruno Moll seinen Dokumentarfilm zum Jakobsweg präsentiert.

Die Geschichte von Réjeanne, die ihren Arbeitsplatz, ihr Haus und zuletzt ihren Mann verliert, handelt von der Hoffnung. Bernard Émond arbeitet an einer Trilogie zu Glaube, Hoffnung und Liebe. Bereits im Jahr 2005 hat er für seinen Film „La Neuvaine“ (Die Novene) in Locarno den Preis der Ökumenischen Jury erhalten. Mit dem zweiten Teil „Contre toute espérance“ erkundet er nun das Leben eines Paares, dem der Boden unter den Füssen entgleitet. Die Hauptfigur Réjeanne ist in die Psychiatrie eingeliefert worden. Ein Kommissar versucht zu rekonstruieren, was genau im Leben dieses Paares geschehen ist und wieso es zu einem tragischen Ende kam. Mit formaler Stringenz arbeitet der Regisseur an den Grenzen der Hoffnungslosigkeit. Die grosse Stärke des Filmes ist die Erzählung in Episoden und Rückblenden. Dabei erhebt sich aus der Suchbewegung die Frage nach der Kontingenz, nach der menschlichen Antwort auf Krankheit und Tod sowie nach den unabarmherzigen Mechanismen des globalisierten Arbeitsmarktes.

Positiv aufgefallen sind im internationalen Wettbewerb auch der spanische Beitrag „Ladrones“ über einen Taschendieb und seine Liebe zu einer jungen Frau, sowie der algerische Film „La maison jaune“. Der Film aus dem Maghreb zeigt die islamische Alltagskultur aus der Sicht eines Bergbauern und seiner Familie, die den Verlust des Sohnes verkraften muss.

In der Sektion „Semaine de la critique“ hat der Schweizer Dokumentarist Bruno Moll seinen neuen Film „Zu Fuss nach Santiago de Compostela“ vorgestellt. Er begleitet darin den jungen Pilger Roman Weishaupt vom Bünderland bis an die spanische Atlantikküste – 2200 km auf dem Jakobsweg. Roman Weishaupt ging im Jahr 2006 nicht aus religiösen Gründen auf die beschwerliche Reise, sondern aus Lust und Laune, den berühmten Pilgerweg kennen zu lernen. Diese Wahl des Protagonisten gibt dem Film etwas Unbeschwertes und Unverbrauchtes. Neben den Aufnahmen der Filmequipe gibt es Aufnahmen aus einem persönlichen Tagebuch. Der Film wurde von der Katholischen Kirche im Kanton Zürich unterstützt.

Am 7. August feierte die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft im Kanton Tessin in der Chiesa Nuova in Locarno einen Wortgottesdienst. Die Meditation über das Verhältnis von biblischer Bildsprache in den Gleichnissen Jesu und der Bildsprache des Filmes hielt Daria Pezzoli-Olgiati, Professorin für Religionswissenschaft an der Universität Zürich und Mitglied der diesjährigen Ökumenischen Jury.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

Das Festival in Locarno dauert noch bis zum 11. August. Weitere Texte zur Arbeit der Ökumenischen Jury sind abrufbar unter:
http://www.kirchen.ch/filmjury

Internationaler Wettbewerb (mit Filmausschnitten):
www2.rtsi.ch/pardo/mostrascheda.cfm?scheda=565

Radio-Dossier zum Filmfestival
Radio DRS

„Zu Fuss nach Santiago de Compostela“ (Radiosendung vom 4. August):
pod.drs.ch/mp3/drs2aktuell/drs2aktuell_20070804.mp3

Dossier der SRG SSR (mit historischen Fernseh- und Radiobeiträgen):
http://www.ideesuisse.ch/225.0.html?&L=0

Offizielle Festivalsite
http://www.pardo.ch