Get – Der Prozess der Viviane Amsalem

Ehescheidungen vor dem Richter sind immer eine schwierige Angelegenheit. Neben rechtlichen Fragen spielen persönliche Motive und emotionale Verwerfungen eine Rolle. Zugespitzt wird diese Situation, wenn sich ein Paar vor dem Ehegericht einer traditionellen Religionsgemeinschaft verantworten muss. Viviane Amsalem lebt seit Jahren getrennt von ihrem Ehemann Elisha und will sich scheiden lassen. In Israel, wo sie lebt, kann das jüdisch-orthodoxe Rabbinatsgericht eine Ehe nur auflösen, wenn der Mann zustimmt. Doch Elisha weigert sich, ihr einen ‹Get› zu geben. Es geht dabei um einen Brief, der für die Scheidung zwingend ist.

Der Film spielt im Gerichtsraum des Rabbinats. Zeuge um Zeuge wird aufgerufen, doch der Prozess zeitigt keine Fortschritte. Beide Eheleute geben sich starrsinnig und von ihrer Position überzeugt. Die Erzählperspektive nimmt jedoch klar Stellung für Viviane, die ihre Ehe als gescheitert ansieht und ihre Freiheit zurückbekommen möchte. Doch das orthodoxe Regelwerk macht die Entscheidung vollständig abhängig vom Ehemann. Obwohl ein ‹Get› die naheliegendste Lösung wäre, entwickelt sich der Prozesse zu einer Groteske, die den Kampf um Würde und Freiheit der Frau umso dringlicher macht. «Get» ist ein eindringliches Gerichtsdrama mit ausgezeichneten Schauspielern, das den Gegensatz von moderner Welt und traditioneller Rechtsprechung hervorhebt.

Charles Martig, Filmjournalist Katholisches Medienzentrum
charles.martig@kath.ch

«Get – Der Prozess der Viviane Amsalem», Frankreich / Israel / Deutschland 2014, Regie: Ronit Elkabetz, Shlomi Elkabetz; Besetzung: Simon Abkarian, Ronit Elkabetz, Gabi Amrani, Verleih: Filmcoopi, http://www.filmcoopi.ch

Kinostart: 12. Februar 2015

«Get – Der Prozess der Viviane Amsalem» ist unser Film des Monats Februar und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv

Vorpremiere von «Get» mit Diskussion

*Vorpremiere in Zusammenarbeit mit „Seret – Kino aus der jüdischen Welt“, im Anschluss Diskussion mit Josh Ahrens (Rabbiner), Nurith Vogel (Rechtsanwältin) und Madeleine Dreyfus (Psychoanalytikerin) – See more at: http://www.riffraff.ch/kino/109978/get-der-prozess-der-viviane-amsalem.html?date=2015-02-05#sthash.Ip2WV1Ry.dpuf

Der Filmclub «Seret – Kino aus der jüdischen Welt» lädt am Donnerstag, 5. Februar 2015, um 18:15 Uhr zur Vorpremiere des Films ins Zürcher Kino RiffRaff ein. Im Anschluss an die Vorführung diskutieren der Rabbiner Josh Ahrens, die Rechtsanwältin Nurith Vogel und die Psychoanalytikerin Madeleine Dreyfus unter der Leitung von Brigitta Rotach.

Weitere Informationen: http://www.seret.ch/events/view/45-get