Gegen die Wand
Der eine mit Gips und Halskrause, die andere mit verbundenen Handgelenken: so lernen sich Cahit und Sibel im Spital kennen, beide in Hamburg lebend, beide türkischer Herkunft. Cahit ist um die Vierzig und Alkoholiker, Sibel ist eine junge Frau, die ihrem traditionellen Elternhaus entfliehen will. Sie bittet Cahit um eine Scheinehe, um sich auszuleben, wie und mit wem sie möchte. Beide leben am Rand des Abgrunds, suizidal und lebenshungrig, gewalttätig und ekstatisch.
Die hochemotionale Geschichte nimmt tragische Wendungen und wird in einer recht direkten Bildsprache erzählt. Die Hauptfiguren müssen lernen, sich im Leben zurechtzufinden. Dass dies für Sibel bedeutet, erst in Istanbul zur Ruhe zu kommen, irritiert. Ist sie in der türkischen Grossstadt freier als in ihrer deutschen Heimatstadt? Muss das wilde Ausleben in den Hafen einer behüteten Ehe münden?
Der Film hat als Aussenseiter auf der Berlinale für Furore gesorgt und schliesslich den Goldenen Bär und den Preis der Internationalen Filmkritik eingeheimst. Seine Geschichte bietet eigenwillige Reibungspunkte für die aktuelle Debatte um kulturelle Identität und säkulare Lebensentwürfe. Wie es um Lebensentwürfe stehen kann, bringt ein Arzt im Film auf den Punkt: „Wenn Sie Ihr Leben beenden wollen, dann beenden Sie Ihr Leben, aber dafür müssen Sie doch nicht sterben.“
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Gegen die Wand», Deutschland 2003, Regie: Fatih Akin, Besetzung: Birol Ünel, Sibel Kekilli, Catrin Striebeck, Verleih: Cineworx, Internet: http://www.cineworx.ch, Filmwebsite: http://www.gegendiewand.de
