Fruitvale Station

Ein 22-jähriger Afroamerikaner wird in der Silvesternacht von einem Polizisten angeschossen und stirbt darauf im Spital. Dieses Ereignis hat die Region von San Francisco und die ganze USA im Jahr 2009 aufgewühlt. Es handelt sich um einen Fall von missbrauchter Polizeigewalt, ein skandalöses Politikum. Doch der junge Regisseur Ryan Coogler erzählt nicht vom Skandal und seiner politischen Instrumentalisierung. Vielmehr hat Coogler einen sehr authentischen und beeindruckenden Spielfilm geschaffen. Er gibt dieser Geschichte menschliche Wärme und ein erkennbares Gesicht. Hinter dem Schicksal steht ein Name: Oscar Grant, ein junger Mensch mit Stärken und Schwächen; ein Kleinkrimineller, der sich nach einem besseren Leben sehnt. Dass es ausgerechnet ihn trifft, ist aufwühlend und wirft drängende Fragen auf.

Mit der Handkamera verfolgt der Film die Geschehnisse, die zum fatalen Ereignis führen. Dabei spielen Alltagsszenen eine wichtige Rolle: Oscars Beziehung zu seiner Mutter, zur Freundin und zu seinem Kind eröffnen eine Welt der weiblichen Beziehungen. Das Umfeld der «coolen Bros» zeigt das Leben mit den Kumpels. Dabei geht der kluge Erstlingsfilm weit über Klischees hinaus und bringt einen sozialen Mikrokosmos zum Vorschein, der unverfälscht wirkt. Hier hat ein junger Regisseur mit grossem Engagement einen zutiefst ehrlichen Film gemacht, der zum Kern des Menschseins vordringt.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Fruitvale Station», USA 2013, Regie: Ryan Coogler, Besetzung: Michael B. Jordan, Melonie Diaz, Octavia Spencer; Verleih: Ascot Elite; Internet: http://www.ascot-elite.ch

Kinostart: 19. Juni 2014