Forbidden Voices
Die Verheissungen des Web 2.0 sind verlockend: Alle dürfen mitmachen; Texte, Bilder, Filme sind erwünscht, auf dass sich das Internet demokratisch freiheitlich fülle mit Aktion und Reaktion. Ein Blick in viele Netztagebücher oder auf Facebookseiten ist ernüchternd. Allzu viel Banales und Irrelevantes flirrt über den Bildschirm, Kommunikation ist oft blosses Geschwätz. Wie anders ist dies in Systemen, die sich durch dissidente Meinungen bedroht fühlen. Die Kubanerin Yoani Sánchez prangert in ihrem Blog politische Verfolgung in ihrer Heimat an. Vom Time Magazine wurde sie zu den einflussreichsten politischen Stimmen der Welt gezählt. In Kuba freilich gilt sie als Staatsfeindin und ist Repressionen ausgesetzt, die sie dank Twitter umgehen kann. Der spannendste Erzählstrang des Films widmet sich ihrem Alltag, vieles davon heimlich aufgenommen. Daneben stehen zwei weitere Frauen, die mit modernen Kommunikationsmedien die Mauern überspringen, die ihr Leben begrenzen: Die in China unter Hausarrest stehende Zeng Jinyang sowie die Exiliranerin Farnaz Seifi.
Während sich Medienwissenschaftler darüber streiten, wie Social Media richtig einzuschätzen sind, erschliessen sich diese Bloggerinnen hier einen Freiheitsraum, den es vor wenigen Jahren schlicht noch nicht gab. Ihre Stimmen lassen sich nicht mehr verbieten. Dagegen sind die überlebensgrossen Wandbilder der Systemväter Che, Mao und Chomeini nur noch stumme Götzen von gestern.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Forbidden Voices», Schweiz 2012, Regie: Barbara Miller, Dokumentarfilm mit Yoani Sánchez, Zeng Jinyan, Farnaz Seifi; Verleih: Filmcoopi Zürich, http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: http://forbiddenvoices.net
Kinostart: 10. Mai 2012
| «Forbidden Voices» ist unser Film des Monats Mai und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv |
Podiumsgespräche in Zürich, Bern und Basel
- 3. Mai, Zürich, 19.00-21.00 Uhr, NZZ-Foyer, Podiumsgespräch mit Filmausschnitten: «Internetsicherheit, Internetzensur und Informationsfreiheit»
Einleitung: Barbara Miller (Regisseurin; Teilnehmer: Andy Müller-Maguhn (Chaos-Computer-Club Berlin), Pascal Gloor (Vize-Präsident Schweizer Piratenpartei), Dominique Strebel (Redaktor «Beobachter» und Blogger «Justizblog»), Mauro Vignati (VBS, MELANI); Moderation: Josefa Haas (Leiterin Medieninstitut des Verbands Schweizer Medien); Eintritt frei, Anmeldung bitte an buesser@rsf-ch.ch
- 3. Mai, Bern, 18.30 Uhr, cineMovie 1, Filmvorstellung mit anschliessendem Podium
Teilnehmer: Farnaz Seifi (Protagonistin), Stella Jegher (Leiterin Kommunikation von Amnesty International Schweiz; Moderation: Alexander Sury (Co-Leiter des Bund-Kulturressorts)
- 10. Mai Basel, 18.30 Uhr, kult.kino camera, Filmvorstellung mit anschliessendem Podium
Teilnehmer: Barbara Miller (Regisseurin), Antonia Bertschinger (Iran-Expertin von Amnesty International Schweiz; Moderation: Christina Caprez (Radio DRS 2)
