Festivalnormalität nach Premiere des „Da Vinci Code“ in Cannes
Nach dem Werbeauftritt für die Weltpremiere des „Da Vinici Code“ kehrte an der Côte d´Azur wieder der Festivalalltag ein. Die Programmation des Wettbewerbs am 59. Internationalen Filmfestival in Cannes ist nach Aussagen des künstlerischen Direktors vom Willen der Erneuerung geprägt. Nicht wenige der zwanzig ausgewählten Wettbewerbsfilme wurden von jungen Filmemachern realisiert. Schweizer Filme sind in der Sektion „Tous les cinémas du monde“ zu sehen.
Nachdem das eigens für die Premiere des Films „The Da Vinci Code“ auf dem Hafenareal erstellte pyramidenförmige Zelt abgebrochen und die weit spürbare Ernüchterung über die enttäuschende Verfilmung von Dan Browns Thriller „Sakrileg“ verflogen war, richtete sich an der nur kurze Zeit in „Code d’Azur“ umbenannten Côte d’Azur die Aufmerksamkeit auf das eigentliche Wettbewerbsprogramm und die übrigen Festivalsektionen. Der in Cannes schon oft ausgezeichnete Brite Ken Loach (2004 u.a. mit dem Spezialpreis der Ökumenischen Jury) eröffnete den Reigen mit „The Wind that Shakes the Barley“, einer eindrücklichen Rückblende auf die Ereignisse des Jahres 1920, die den Anfang des irischen Bürgerkrieges bilden. Im Mittelpunkt steht das emotional berührende Porträt eines jungen Mannes, der wegen seiner unbeugsamen moralischen Sensibilität zum Opfer der tragischen Entwicklung wird. Dann waren mit „Volver“ des Spaniers Pedro Almodovar und „Fast Food Nation“ des Amerikaners Richard Linklaters, sowie mit „Il Caimano“ des Italieners Nani Moretti und „Lichter der Vorstadt“ des Finnen Aki Kaurismäki die neuen Werke längst arrivierter Autorenfilmer zu sehen. Nur drei der zwanzig Filme im Wettbewerb sind von Frauen realisiert.
Schweizer Filme in der Sektion „Tous les cinémas du monde“
Produktionen aus afrikanischen Ländern findet man in diesem Programm sowenig wie solche aus Deutschland oder der Schweiz, sieht man davon ab, dass die portugiesische Produktion „En avant, jeunesse“ von Pedro Costa vom Tessiner Fernsehen mitproduziert wurde. Dagegen ist der Trickfilm „Banquise“ (Icefloe) von Claude Barras und Cédric Louis für den Internationalen Kurzfilmwettbewerb selektioniert worden. Der Kurzfilm „Hunde“ von Matthias Huser läuft in der Sektion Cinéfondation, die Schulfilmen gewidmet ist. Die französisch-schweizerische Koproduktion „Ca brûle“ von Claire Simon ist zur „Quinzaine des réalisateurs“ eingeladen worden. Schliesslich ist die Schweiz zusammen mit Russland, Israel, Singapour, Venezuela, Tunesien und Chile ausgewählt worden, in der Sektion „Tous les cinémas du monde“ am Dienstag dieser Woche in einem speziell dafür errichteten Kinopavillon ein Sonderprogramm mit „Verflixt, verliebt“ von Peter Luisi, „Garçon stupide“ von Lionel Baier, „Strähl“ von Manuel Flurin Hendry, „Mein Name ist Eugen“ von Michael Steiner und einer Auswahl von Kurzfilmen zu zeigen. Am Vortag hat Pascal Couchepin dank dem Wiederbeitritt der Schweiz zum Förderprogramm Media als erster Bundesrat an der Konferenz der europäischen Kulturminister teilgenommen.
Hans Hodel, Präsident INTERFILM
| Am Samstag, 27. Mai um 17.00 Uhr gibt die Ökumenische Jury zusammen mit der Jury FIPRESCI des internationalen Filmkritikerverbandes die Verleihung ihres Preises bekannt. Nähere Informationen sind auf der Homepage der Ökumensichen Jury zu finden. cannes.juryoecumenique.org Offizielle Festivalwebsite: Spezialpreis für Ken Loach 2004: Festivalbericht Cannes 2004: ARTE in Cannes 2006: |
