Evangelische Perspektiven. Das Schweige der Steinkreise

Was Familien im Kleinen mit Ritualen begehen, das zelebriert die Menschheitsfamilie seit Jahrtausenden: Mit Denkmälern in Zeit und Raum, wie man sie heute noch beispielsweise im berühmten Stonehenge findet oder an anderen mystischen Orten. Steinkreise oder Ganggräber in Frankreich oder Irland zeugen von solchen Schwellenmomenten: Stumme Zeugen längst vergangener Augenblicke, kosmische Kalender, von Menschen geschaffen, um einschneidende Momente im Leben zu würdigen, Transformationsprozesse zu beschreiben – den Wechsel von Sommer und Winter, das Gegenüber von Tod und Leben, Diesseits und Jenseits. Noch immer zieht es Menschen in Scharen an diese Kraftorte. Sie feiern auf den Spuren längst vergangener Zivilisationen, tanzen zur Sonnwende, trommeln den Frühling herbei oder singen gegen die Dunkelheit des Winters an. Über den ursprünglichen Sinn der meisten Anlagen ist kaum etwas bekannt: Waren es heilige Kultstätten, Richtplätze, astronomische Observatorien?