Evangelische Perspektiven. Räuchern als religiöse Erfahrung

Er riecht streng, harzig, fast medizinisch, die Konsistenz ist krümelig-klebrig, trotzdem wird Weihrauch seit Menschengedenken verehrt, als «Schweiss der Götter» oder «Tränen Allahs». Und nicht umsonst waren es ausgerechnet Myrrhe und Weihrauch, die die Heiligen Drei Könige der Legende nach dem neu geborenen Messias an der Krippe als Geschenk darbrachten. Doch das Verbrennen von Weihrauch zu kultischen Zwecken ist beileibe keine Erfindung der katholischen Kirche. Schon im Alten Ägypten und später im Römischen Reich stiegen die duftenden Schwaden zu Ehren der Götter in den Himmel, wurden Weihrauch und Myrrhe als wirkmächtige Stoffe zur Vorbereitung der Toten auf ihre Reise ins Jenseits eingesetzt. In der römisch-katholischen Kirche und der Ostkirche sind Weihrauch und Benzoe fester Bestandteil der Liturgie. Und auch in der freien religiösen Szene erfreut sich das Verbrennen von Räucherwerk grosser Beliebtheit