Evangelische Perspektiven. Wohin Labyrinthe hinführen können

Labyrinthe faszinieren seit jeher die Menschen, vielleicht deshalb, weil sie das Gegenteil von Effizienz und Zweckorientierung sind: das Labyrinth – so seine mystisch-spirituelle Bedeutung – führt nicht von A nach B, sondern auf Umwegen zum Ziel und nicht selten auch zu seelischen Erfahrungen. Das dürfte ein Grund dafür sein, dass Labyrinthe in den religiösen Traditionen einen festen Platz haben und man sie in allen Kulturen und zu allen Zeiten findet – bis in unsere Tage. Sie sind spirituelle Kraftplätze: Theseus‘ Weg in und aus dem Labyrinth des Minotaurus ist eine symbolische antike Heldenreise; in Indien dienten Labyrinthe als Basis tantrischer Rituale, die Hopi-Indianer sehen im Labyrinth ein Bild für Mutter Erde. Im Christentum stellen sie ein Meditationsbild dar. Ein Labyrinth hat zwei Bewegungen: den Weg zur Mitte und den zurück – ein spirituelles Grundthema des Menschen. Denn ein Ziel zu erreichen ist erst der halbe Weg