Et maintenant, on va où?

Eine wahre Tragikomödie serviert uns die libanesische Allrounderin Nadine Labaki nach ihrem Kinoerfolg «Caramel». Die Eröffnungsszene scheint direkt der griechischen Antike entsprungen: Klagende Frauen schreiten zu einem Friedhof und stimmen einen wogenden Chor an. Doch diese Frauen sind alles andere als Klageweiber oder Nebenfiguren. Sie versuchen verzweifelt und gewitzt, den Frieden in ihrem Dorf zu wahren. Das ist gar nicht so einfach, denn der Feind kommt nicht von aussen. Es geht um nichts weniger und nichts mehr als um das friedliche Zusammenleben von Moslems und Christen. Wenn es nach den Frauen, dem Imam und dem Priester ginge, wäre das längst kein Problem mehr. Bleibt nur noch das unberechenbare Temperament der Männer, das wegen einer Lappalie Schlägereien und letztlich auch einen Bürgerkrieg entfachen könnte.

Der Film unterhält mit vielen Ideen und komischen Szenen. Zuweilen balanciert er mit Gesangseinlagen am Rande des Kitsch, um dann umso deutlicher die Realität hinter seiner Story aufblitzen zu lassen. Schliesslich wird der Kampf um die alltägliche Koexistenz von Religionen in einem Dorf im Nahen Osten lesbar auf die Frage eines friedlichen Zusammenlebens in der Welt überhaupt. Der finale Coup der Frauen ist für einmal nicht nach Art der Lysistrata gestrickt, sondern entwirft frech eine religiöse Utopie oder eine Art utopische Transreligiosität. Ein Film mit dem Zeug zum Publikumsliebling.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Et maintenant, on va où?» («Wer weiss, wohin?»), Libanon 2010, Regie: Nadine Labaki, Besetzung: Nadine Labaki, Claude Baz Moussawbaa, Layla Hakim, Yvonne Maalouf; Verleih: Pathé Films AG, http://www.pathefilms.ch

Kinostart: 29. März 2012

«Et maintenant, on va où?» ist unser Film des Monats März und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv