Essay. Unverloren – Ingeborg Bachmanns poetisches Testament

Im Sommer 1962 erlitt Ingeborg Bachmann einen Zusammenbruch. Die Trennung von Max Frisch liess Traumata ihrer frühen Kindheit wieder aufbrechen; fortan wurde Bachmann von schweren Panikattacken heimgesucht, die wiederholt zur Einweisung in psychiatrische Kliniken führten. In den Jahren der Krankheit hat Bachmann wenig veröffentlicht, aber viel geschrieben: Traumprotokolle, Reden an die Ärzte, Gedichte, Briefe, Entwürfe von Erzählungen − alles Versuche, die Zerstörungsgewalt, die sie an Leib und Seele erfuhr, durch sprachliche Gestaltung zu bannen. Unter dem Titel «Male oscuro» sind die Notate aus der Krankheitszeit jetzt erstmals erschienen