Essay. Der Schreibtisch oder der doppelte Boden der Schrift

Unter den Dingen, die uns umgeben, zählt der Schreibtisch zu den eher unauffälligen Gefährten. Er fristet ein weithin schmuckloses Dasein in der inneren Ökonomie des Hauses. Schrank und Stuhl, Kommode und Teppich erwecken Aufmerksamkeit. Der Schreibtisch aber steht am Rande, versinkt in flacher Gleichmut und harrt aus. Ruhige Oberfläche, geduldiges Papier, bereite Schreibwerkzeuge, ist er die Tabula rasa einer kommenden Schrift. Aus den Tiefen der Laden und Schübe, der Kästen und Türen lässt er Abgesandte aus dem Buchstabenuniversum aufsteigen. Irgendwie ist, wo es um den Schreibtisch geht, stets eine Restmagie am Werk. Was macht den Schreibtisch so attraktiv und so eigenwillig? Was bedeutet uns der hölzerne Vierbeiner?