Erinnern
Der Schatz unserer Erinnerungen – gleicht er einem breiten Fluss voller Treibgut? Wie wichtig ist das Erinnern für die eigene Identität, was benötigen wir für unser Selbstbild, was möchten wir lieber für immer vergessen?
Solche Fragen wirft Bruno Moll mit seinem neuen Film auf. Er begleitet sieben Personen bei ihrer Auseinandersetzung mit dem Erinnern. Da ist der Musikpädagoge, der Altersdemente und Alzheimerkranke zum Mitsingen bringt und ihnen damit Erinnerungsräume öffnen kann, wenn auch nur für kurze Zeit. Da ist aber auch die junge Kurdin, auf deren Körper und Seele Foltererfahrungen unauslöschlich eingeschrieben stehen. Oder der kranke Globetrotter, dessen Panoptikum aus Erinnerungsstücken ihn überleben wird. Der Film porträtiert interessante Persönlichkeiten, deren Geschichten allesamt in Bann ziehen. In ruhigen Schnitten fliessen sie ineinander über. Zwar dominiert – wohl unbeabsichtigt – das Schwere und Tragische, aber es wird dennoch nicht das Gefühl vermittelt, Erinnern sei stets schwer und schmerzvoll. Vielmehr erwächst beim Zusehen der Wunsch nach eigener Erinnerungsarbeit, um gemachte Erfahrungen neu zu bedenken. Der Fluss voller Treibgut begleitet uns unsichtbar, und manchmal ist es gut, innezuhalten und etwas herauszufischen, um es sich wieder einmal anzusehen.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Erinnern», Schweiz 2005, Regie: Bruno Moll, Dokumentarfilm mit: Leo und Richarda Lyss, Otto Spirig, Lilav Jan; Verleih: LOOK NOW!, Internet: http://www.looknow.ch
Kinostart: 23. Juni 2005
