El niño pez

Lucía Puenzo ist eine begabte Regisseurin und Literatin. Nach ihrem tiefsinnigen Filmdebüt „XXY“ präsentiert sie eine tragisch-poetische Geschichte. Die Vorlage hat sie selber geschrieben und nun auch verfilmt. Das starke soziale Gefälle zwischen Argentinien und Paraguay bildet dabei den Hintergrund für die Liebesgeschichte zwischen Lala und Ailín. Die Tochter aus gutem Hause möchte mit der indigenen Angestellten aus den beengten Verhältnissen fliehen. Eine tragische Verstrickung führt zum Tode des Vaters und die beiden jungen Frauen begeben sich auf die Flucht. Erzählt wird diese Bewegung vorerst in einer verwirrenden Montage von Reiseszenen und Rückblenden. Erst langsam erschliesst sich, weshalb Lala und Ailín geflohen sind und welche Schatten sie mit sich tragen.

Die dunkle Seite des Films wird durch die poetische Metapher des „Fischkindes“ erhellt, das sich in einem mythischen See im paraguayischen Herkunftsort von Ailín aufhält. Das Fischkind ermöglicht Lala einen neuen Zugang zu ihrer Freundin, ihrer Herkunft und ihrem Leiden an der Welt. Lucía Puenzo hat ihren magischen Roman in neue Bilder gegossen. Entstanden ist mehr als ein Remake von „Thelma und Louise“ auf argentinisch. Die Verfremdung und dunkle Spiegelung des Films ist gleichzeitig seine grosse Stärke. Inés Efron und Mariela Vitale glänzen in den Rollen der beiden Frauen auf der Flucht vor der Niederträchtigkeit der Gesellschaft.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

„El niño pez“, Argentinien 2009, Regie: Lucía Puenzo, Besetzung: Inés Efron, Mariela Vitale, Carlos Bardem; Verleih: Xenix Filmdistribution, http://www.xenixfilm.ch

Kinostart: 16. Juli 2009