Ein Muss – aber ausbaufähig
In seiner ersten Ausgabe war das Handbuch „Religion im Film“ so etwas wie eine heimliche Trouvaille unter den Filmlexika. Jetzt wurde es – auch äusserlich – seinem grossen „Bruder“ dem Lexikon des Internationalen Films weiter angenähert. Damit dürfte es sich einem breiteren Nutzerkreis empfehlen, zu Recht, wie es vorwegzunehmen gilt.
Basierend auf dem Material, welches auch für das Lexikon des Internationalen Films verwendet wird, das sich seinerseits aus den Kurzbesprechungen der katholischen Filmzeitschrift „filmdienst“ speist, entstand ein spezialisiertes Nachschlagewerk mit Kurzkritiken und Stabsangaben zu 2400 Kinofilmen. Zusätzlich zur Vorlage wurden die Filme mit theologischen Stichworten versehen und systematisiert. Diese Leistung macht denn auch den eigentlichen Nutzwert des Lexikons aus. Damit wird es zum brauchbaren Handbuch für kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die Jugend- und Erwachsenenbildung aber auch für die allgemeine Filmarbeit. Die Verwendungsmöglichkeiten werden zusätzlich dadurch erweitert, dass auch eine CD-ROM mit dem gesamten Datenmaterial und weiteren Artikeln zum Thema erhältlich ist – einziger Schönheitsfehler, es handelt sich nicht um eine hybride Scheibe, sondern um eine, die nur unter Windows lauffähig ist.
So nützlich und überzeugend die Neuausgabe von „Religion im Film“ insgesamt ausgefallen ist, am Ende der Entwicklungsmöglichkeiten ist man trotzdem noch lange nicht angekommen. Zum einen kann sich die zunächst einleuchtende Verwendung der immer gleichen Grunddaten für verschiedene Lexika auch als Fallstrick herausstellen, dann nämlich, wenn Fehler immer wieder abgeschrieben werden, wie beispielsweise im Kurzbeschrieb zu „Ich beichte“ von Alfred Hitchcock. Eine umfassende Neuredaktion täte deshalb Not.
Zum anderen zeigt sich eine Schwäche des Filmlexikons in Bezug auf Filmautoren. Um wieder Hitchcock zu bemühen: Von ihm wurden gerade mal zwei Filme aufgenommen. Mit „Ich beichte“ und „Der falsche Mann“ sind es weder seine besten noch die theologisch ergiebigsten. Offenbar hat man sich weitgehend darauf beschränkt, Filme auszuwählen, die schon durch ihren Inhalt explizit religiöse Themen versprechen.
Damit wird ein Dilemma deutlich, welches im Rahmen dieses Lexikons wohl nicht zu lösen ist. Wünschenswert wäre es deshalb, wenn dem Handbuch „Religion im Film“ ein zweites, ergänzendes Handbuch folgen würde, welches sich nicht an einzelnen Filmen sondern an Filmautoren und ihrem Gesamtwerk orientieren würde. Mit der Absicht, in das Werk von Regisseuren einzuführen, die sich in herausragender Weise immer wieder religiösen Themen genähert haben.
Thomas Binotto
Der Autor ist freier Journalist und Webmaster kath.ch
„Religion im Film“. (3. erweiterte und durchgesehene Auflage). KIM Katholisches Institut für Medieninformation 1999. ISBN 3-9806195-8-3.
