Edelweiss Revolution

«Wer mit 20 Jahren nicht Sozialist ist, der hat kein Herz, wer es mit 40 Jahren noch ist, hat kein Hirn.» Diese Senioren-Truppe wiederlegt das Zitat, das verschiedensten Politikern fälschlicher Weise in den Mund gelegt wird, eindeutig.

Einst waren die Rentner ein Kollektiv, das für den Zivildienst kämpfte. Dokumentarische Aufnahmen von Hippies im VW-Bus mit Wind im Haar und Zigarette im Mundwinkel, bezeugen dies. Die Gruppe nannte sich «Mouvement pour un service civil à la communauté» und organisierte ein Protest-Happening vor dem Bundeshaus. Sie deponierten ihre Uniformen und Waffen und verbrannten ihre Dienstbüchlein. Jedem einzelnen von ihnen wurde daraufhin der Prozess gemacht.

Aber auch 50 Jahre später sind die Alten noch immer nicht revolutionsmüde. Die Diskussionen von einst gehen telquel weiter. Dürfen Pazifisten Gewalt anwenden? Wie gewinnt man die Aufmerksamkeit der bequemen Konsum-Bürger für seine Sache? Heute kämpfen sie gegen die Waffenexporte aus der Schweiz.

Der Film von Fred Baillif ist verschachtelt konstruiert. Die verschiedenen Perspektiven, aus denen die Geschichte erzählt wird, fügen sich erst mit der Zeit zu einem Ganzen. Der Film kommt als Dokumentarfilm daher, ist es aber nicht. Die unkonventionelle Erzählweise korrespondiert mit den unkonventionellen Alten. Sie sind es, die die Geschichte rocken. Und so fassen die engagierten Rentner den beherzten Plan, eine Waffenfabrik in die Luft zu jagen – zugegeben eine hirnverbrannte Idee aber sehr lustig.

Eva Meienberg, Redaktorin Medientipp

«Edelweiss Revolution» («La preuve scientifique de l’existence de dieu»), CH 2019, Regie: Fred Baillif, Besetzung: Alain Simonin, Jean Larvego, Nadia Braendle ; Verleih: Aardvark Film Emporium, https://aardvarkfilm.com/catalogue-2/edelweiss-revolution/

Kinostart: 16. Juli 2020