Echtes Leben. Kein Recht mehr auf Arbeit – Stahlkocher, Kumpel, Klimafeind?
100 Stahlarbeiter haben sich im vergangenen Februar vom saarländischen Dillingen zu Fuss auf den Weg zur EU-Kommission nach Brüssel gemacht: Thomas H. war einer von ihnen. Der «Walk of Steel» wollte auf die prekäre Lage der Branche aufmerksam machen. Schon damals war klar, dass in der saarländischen Stahlindustrie 1’500 Jobs wegfallen sollen. Dann kam Corona. Für den 52-Jährigen bedeutet das Kurzarbeit und noch mehr Unsicherheit im Blick auf seine berufliche Zukunft. Thomas H. ist davon überzeugt, dass es enorm wichtig wäre, die Stahlproduktion in Deutschland zu halten. Aber die Industriekunden bestellen zu wenig und Klimaauflagen sind teuer. Stahlkocher und Kumpel waren früher traditionsreiche, gut bezahlte und hochangesehene Berufe. Durch die Transformation der Industrie verlieren jetzt Tausende nicht nur Arbeitsplatz und berufliche Existenz, sondern auch gesellschaftliche Wertschätzung und ein Stück ihrer Identität. Was kann ihnen jetzt noch Halt geben?
