DVD-Tipp: Vergiss mein nicht
«Ich dachte zuerst, es wird ein trauriger Krankheitsfilm (…), aber es war wie ein Wunder und es hat sich ein heiterer Liebesfilm entwickelt», meint David Sieveking. Tatsächlich ist «Vergiss mein nicht» ein wunderbares Familienporträt, das ausgehend vom Gedächtnisverlust der Mutter, ihr Leben und das der Familie aufrollt. Gretel hält ihren Sohn plötzlich für ihren Mann, was mitunter zu komischen Situationen führt. Immer wieder will sie nicht aufstehen, kann aber im nächsten Moment voller Tatendrang sein. David reist mit Gretel in die Schweiz, zu ihrer Schwester nach Stuttgart, trifft sich mit Mitstreiterinnen, recherchiert im Archiv. Er steht im ständigen Austausch mit seinem Vater und seiner Schwester. Seine Schwester spricht von einem Abschied auf Raten. Dieser ist auch von klammen Momenten geprägt, die nicht ausgeklammert werden.
Insgesamt hat die Veränderung von Gretel einen positiven Effekt auf die Angehörigen, die sich auf die Situation einlassen. Am Ende kommt Gretels Ehemann gar zum paradoxen Schluss, dass er dank der Demenz, die Liebe zu seiner Frau noch einmal entdecken durfte. «Vergiss mein nicht» ist ein äusserst sensibler und differenzierter Beitrag zur Auseinandersetzung mit Demenz. Im Bonusmaterial mit einem ausführlichen Booklet, einem Filmgespräch und einem Mitschnitt von einem Krongress über Demenz berichtet der Filmemacher von seinen Erfahrungen und liefert spannende Hintergrundinformationen.
Monica Lienin, Redaktorin Medientipp
monica.lienin@medientipp.ch
«Vergiss mein nicht», Dokumentarfilm à 88 Minuten, mit Booklet und Bonusmaterial, 29 Franken. http://www.looknow.ch
Der Film eignet sich für die Oberstufe, Jugend-, Erwachsenen- und Altersarbeit und ist erhältlich im Verleih von http://www.relimedia.ch
«Vergiss mein nicht»
Filmtipp vom 31. Januar 2013
Demenz – Meine Mutter kennt mich nicht mehr
David Sieveking zu Gast in der Sendung «Planet Wissen»
ferment: «Dement – Woanders und doch hier»
mit berührenden Bildern und Texten
