Dogville

Eine Frau wird aus Dankbarkeit zur Magd, aus Not zur Sklavin und aus Hass zur Gefangenen. So passiert es in Dogville («Hundsdorf»), einem gottverlassenen Nest in den Rocky Mountains, wo die Strasse endet und die Silbermine stillgelegt ist. Die Einwohner führen ein tristes Leben, bis die schöne Grace auf der Flucht vor Gangstern auftaucht. Um Unterschlupf zu erhalten, bietet sie sich allen als Arbeitskraft an. Allmählich schafft sie es, mit ihrer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft die misstrauischen Gesichter aufzuhellen. Doch dieser Friede währt nicht lange, denn die Menschen beginnen gierig, Grace auszunutzen. Bald gilt sie nicht mehr als Gnadengeschenk, sondern als ungewollter Eindringling. Zuletzt beschliessen die Dörfler, sie an ihre Verfolger auszuliefern. Das ist das Ende – aber anders als erwartet nicht das Ende von Grace.

Was bedeutet es, sich selbst zu schenken und anderen Menschen völlig auszuliefern? Es ist eine geradezu christologische Frage, die der Film aufwirft, und nicht zufällig heisst die Hauptfigur Grace („Gnade“). Wieder einmal hat Lars von Trier eine irritierend hingebungsvolle Frauenfigur kreiert, die auf eine grausame Welt prallt. Doch diesmal geht nicht die Frau, sondern ihre Umgebung daran zugrunde. Der dreistündige Film fasziniert auch ästhetisch durch eine auf nur wenige Kulissen reduzierte Künstlichkeit. Er ist eine echte Herausforderung.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

„Dogville“, Dänemark 2003, Regie: Lars von Trier, Besetzung: Nicole Kidman, Paul Bettany, Lauren Bacall, Monopol Pathé Films AG, Internet: http://www.pathefilms.ch, http://www.dogvillemovie.com