Die freundlichen Islamisten
Bis zum Putschversuch 2016 galt die Gülen-Bewegung in der Türkei als grösste Stütze des Erdogan-Regimes. Ihr Einfluss im türkischen Staatsapparat war – mit ausdrücklicher Billigung Erdogans – immens. Heute ist die Bewegung, die Erdogan für den Putschversuch verantwortlich macht, in der Türkei nichts weniger als Staatsfeind Nr. 1. Hunderttausende Anhänger wurden verfolgt, viele inhaftiert, mehrere Tausend flohen ins Ausland, bevorzugt nach Griechenland und Deutschland. Tot ist die Bewegung trotzdem nicht. Bis heute betreiben Gülen-Anhänger nach eigenen Angaben in etwa 160 Ländern mehr als 1’500 «Bildungseinrichtungen», Krankenanstalten und Medienhäuser. Ausserhalb der Türkei hat die Bewegung ihre Unterstützer z. B. unter den türkischen Muslimen in Europa gefunden. Bis vor kurzem galt die Bewegung als demokratische Alternative zu Salafisten und anderen Islamisten. Deutsche Behörden bewerten die Gülen-Bewegung neuerdings jedoch kritischer
