Die abhandene Welt
Vollblutmusikerin Sophie wird von ihrem Vater gebeten, in New York die Operndiva Catarina Fabiani aufzusuchen. Grund: Catarina ist Sophies verstorbener Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten. Die Annäherung an die bekannte Sängerin gestaltet sich schwierig, weil diese mit ihrer Vergangenheit nicht konfrontiert werden will. Sophie gibt jedoch nicht auf und kommt nach und nach einem lange gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur.
Renommierte Schauspieler vor der Kamera und eine grosse Regisseurin dahinter: Das kann einen guten Film versprechen. Leiter tut es das in diesem Fall nicht. Die Figuren wirken wie Fremdkörper in der Szenerie, versuchen sich an aufgesetzten Dialogen und nicht nachvollziehbaren Handlungen, pendeln zwischen Gleichgültigkeit und Überschwang. Die Geschichte selbst wird mit zunehmender und deutlich zu langer Laufzeit immer verworrener. Wer da jetzt mit wem, wie und weshalb verwandt ist, scheint nicht nur aufgrund des teilweise sehr eng beieinanderliegenden Altersunterschieds der Darsteller unglaubwürdig. Einziger Lichtblick: Katja Riemann darf nach «Bandits» endlich wieder an ein Filmmikrofon.
Margarethe von Trotta hätte aus der persönlichen Erfahrung, auf der ihr Film beruht, etwas Bleibendes schaffen können. So wie in «Die bleierne Zeit» oder zuletzt «Hannah Arendt» – beide mit einer grossartigen Barbara Sukowa. Hier ist ihr nicht nur die Welt abhanden gekommen, sondern auch die Überzeugungskraft.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
sarah.stutte@medientipp.ch
«Die abhandene Welt», Deutschland 2015, Regie: Margarethe von Trotta, Besetzung: Katja Riemann, Matthias Habich, Barbara Sukowa; Verleih: Frenetic, http://www.frenetic.ch; Filmwebsite: http://www.dieabhandenewelt-film.de
Kinostart: 14. Mai 2015
