Dheepan
Vom Bürgerkrieg in Sri Lanka in einen Vorort von Paris, wo Bandenkrieg und Drogenhandel herrschen: diesen Weg macht Dheepan. Er, Yalini und die neunjährige Illayal bilden eine neue heilige Familie, auf der Suche nach Sicherheit und einem normalen Leben. Denn nur als Familie haben sie eine Chance in Frankreich aufgenommen zu werden. Dheepan bekommt Arbeit als Hauswart, Yalini betreut einen Betagten und Illayal muss sich in der Primarschule zurechtfinden. Alles scheint sich zum Besseren zu wenden. Doch die Eskalation der Gewalt nimmt ihren Lauf und die Dämonen des Krieges steigen wieder auf.
Der Film steht und fällt mit der Besetzung der Hauptfigur. Jesuthasan Antonythasan ist Dramatiker und Schriftsteller, aber kein Schauspieler. Die Authentizität seines Auftritts gewinnt er aus eigener Erfahrung. Er war als Kindersoldat bei den Tamil Tigers, bevor er in den 1980er-Jahren nach Europa kam. Dies verleiht dem Flüchtlingsdrama eine Wucht und eine Direktheit, die ihresgleichen sucht. Regisseur Jacques Audiard lässt Erfahrungswelten aufeinanderprallen. Sozialdokumentarisches Kino trifft auf Thriller und Kriegsfilm. In dieser explosiven Mischung werden Familienbilder befragt, die Situation von Flüchtlingen in Europa verhandelt und psychologische Spannungen ausgelotet. Alles in ein und demselben Werk! «Dheepan» ist ein mutiger Film, immer am Rand eines Absturzes in Klischees und doch authentisch.
Charles Martig, Filmjournalist Katholisches Medienzentrum
charles.martig@kath.ch
«Dheepan», Frankreich 2015, Regie: Jacques Audiard, Besetzung: Antonythasan Jesuthasan, Kalieaswari Srinivasan, Claudine Vinasithamby; Verleih: Filmcoopi Zürich, info@filmcoopi.ch, Internet: http://www.filmcoopi.ch
Kinostart: 29. Oktober 2015
Am Filmfestival Cannes 2015 wurde «Dheepan» mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.
