Deux jours, une nuit
Der Chef stellt seine Mitarbeiter vor die Wahl: Entweder sie verzichten auf ihre Jahresprämie oder Sandra verliert ihren Job in der Fabrik. Die depressive Sandra verkriecht sich im Bett und resigniert. Doch ihrer Kollegin Juliette und ihrem Mann Manu gelingt es, den Kampfgeist in ihr zu wecken. Sandra bleiben 48 Stunden, um die Belegschaft auf ihre Seite zu bringen. Die Kollegen reagieren emotional auf ihre Bitte. Sie haben selbst finanzielle Sorgen und brauchen die Prämie – für den Unterhalt der Tochter oder die Stromrechnung. Die innere Zerrissenheit zwischen Mitgefühl und ökonomischen Zwängen ist den Männern und Frauen anzusehen. Sandra stösst auf Widerstand aber auch auf Sympathie. Die Gespräche kosten sie viel Kraft, häufig nimmt sie Beruhigungstabletten und will immer wieder aufgeben. Doch ihr Mann Manu erweist sich als Fels in der Brandung und kann sie zum Weitermachen ermutigen. Der Kampf um den Arbeitsplatz wird zum Kampf um Selbstwertgefühl und Würde, aus dem Sandra gestärkt hervorgeht.
Ist es unfair die Arbeitskollegen zum Verzicht auf ihre Prämie zu bitten? Oder ist es legitim von den Kollegen, auf den Bonus zu bestehen? In dokumentarischer Manier erzählt das Regie-Duo Jean-Luc und Pierre Dardenne von Solidarität in Krisenzeiten. Ohne erhobenen Zeigefinger fangen sie die moralischen Konflikte ihrer Protagonisten ein. Dadurch schaffen sie im Kino Raum für Empathie.
Laura Lots, Redaktorin Medientipp
laura.lots@medientipp.ch
«Deux jours, une nuit», Belgien, Frankreich 2014, 96 Minuten, Regie: Jean Pierre und Luc Dardenne, Besetzung: Marion Cotillard, Fabrizio Rongione, Catherine Salée, Verleih: Xenix Filmdistribution, http://www.xenixfilm.ch
Kinostart: 30. Oktober 2014
