Der Pfad des Kriegers

Blutiges Ende einer Geiselnahme in Bolivien 1990: Unter den erschossenen Guerilleros befindet sich auch der Tiroler Michael Nothdurfter, Theologe und Jesuitennovize. Er wolle «die christliche Botschaft leben und Geschichte machen», schrieb er einmal seiner Mutter. Irgendwann sieht er sich nur noch als Revolutionär in der Nachfolge Christi, Märtyrertod inklusive. Vom Christen zum Terroristen?

Der Dokumentarfilmer Andreas Pichler zeichnet facettenreich den Weg nach, der für Michael zum Pfad des Kriegers wurde. Er befragt Mutter, Bruder und ehemalige Kombattanten. Auch meldet er sich selbst zu Wort, war doch Michael einst sein Jungscharleiter. Seine persönlichen Kommentare heben die filmische Suche auf eine andere Ebene und verknüpfen sie mit unserer heutigen Ratlosigkeit gegenüber Gewaltakten von gebildeten jungen Männern im Namen Gottes. Die Idee zum Film entstand nach den Anschlägen von London 2005. Wie kommt es, dass Gewalt zur einzigen Option wird? Wenn sich Michael in Briefen an seine Mutter erklärt, klingt manches einleuchtend. Fast möchte man die Lauheit des europäischen Christentums beklagen. Doch das faszinierende Mosaik, das Pichler zusammenträgt, liefert weder Patentrezepte noch einfache Antworten. Es hält am Nichtverstehen fest, oder wie der Bruder feststellt, als er von Michaels Tod erfährt: «Da hab ich begriffen, dass ich es eigentlich nie verstanden habe.»

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Der Pfad des Kriegers», Deutschland / Schweiz 2008, Regie: Andreas Pichler, Dokumentarfilm, Verleih: Docufactory GmbH, Internet: http://www.docufactory.ch

Filmstart: 5. Februar 2009