Der konfessionelle Religionsunterricht in Bewegung: Quo vadis?

Nick Sieber, Geschäftsleiter der Interdiözesanen Katechetischen Kommission IKK

Heute verliert die Kirche ihre Stellung als Interpretin des Lebens immer mehr, und die Konfession spielt als identitätsstiftendes Merkmal nur noch eine sehr untergeordnete Rolle. Doch während die Zahl der Kirchenaustritte zunimmt, wächst gleichzeitig auch das Interesse an Religiösem. Die Gestaltung des religiösen Lebens ist heute jedoch individuell geprägt und richtet sich immer weniger nach der traditionellen Bindung an die Kirche. An die Stelle der Beheimatung in einer Glaubensgemeinschaft tritt für den oder die Einzelne(n) das verwirrende Angebot einer Vielzahl möglicher Weltdeutungen. Die Entwicklungsströme der modernen Gesellschaft erfassen auch die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen. „Religion“ hat ihre bindende Kraft bei ihnen verloren. Jugendliche leben mit dem Bewusstsein, sich eine eigene Religion „basteln“ zu müssen und experimentieren mit „religiösen Angeboten“.
Der konfessionelle Religionsunterricht steht aufgrund der gesellschaftlichen und kirchlichen Umbrüchen unter einem besonderen Druck, welcher durch die Entwicklungen in der Schule noch verstärkt wird. Er wird vielerorts immer mehr an den Rand beziehungsweise ganz aus der Schule gedrängt. In verschiedenen Kantonen wird im Rahmen des allgemeinen Bildungsauftrages die Einführung eines Schulfaches „Religiöse Grundbildung“ oder „Ethik“ diskutiert.
Von diesen Entwicklungen wird die Kirche herausgefordert. Als Chance gesehen kann dies bedeuten, dass alle Betroffenen – Kirche und Schule/Staat – gemeinsame Konzepte entwickeln, um Kindern und Jugendlichen eine religiöse Grundbildung und dadurch Kenntnisse der eigenen kulturellen und religiösen Wurzeln zu ermöglichen. Darüber hinaus soll aber auch die Fähigkeit zum interkulturellen und interreligiösen Dialog vermittelt werden, welche unsere multikulturelle Gesellschaft verlangt. Die nachfolgende Grafik weist auf die spezifischen Aufgaben und Kompetenzen von Schule/Staat und Kirche hin und zeigt mögliche Vernetzungen und Kooperationen auf.