Der Büezer

Der junge Sanitärinstallateur Sigi lebt in Zürich auf sich allein gestellt und leidet darunter, dass er weder richtige Freunde noch eine Freundin hat. Als einfacher Bauarbeiter, der gelegentlich auch kleine Schwarz-Jobs für seinen neuen, zwielichtigen Kumpel Walter macht, scheint Sigi es schwer bei den Frauen zu haben. Bis er auf die gläubige Hannah trifft, bei der er sich als erfolgreicher Werber ausgibt, um nicht gleich einen Korb zu bekommen. Hannah scheint angetan und nimmt Sigi mit zu ihrer Freikirchen-Gruppe in die er so gar nicht passen will. Als sie schliesslich herausfindet, was Sigi tatsächlich tut, kehrt sie ihm den Rücken. Dieser will aber genau das nicht einfach so hinnehmen.

Hans Kaufmanns Spielfilmdebüt ist eine fein aufgebaute Charakterstudie eines stillen Aussenseiters, den die Welt um ihn herum verunsichert und der letztlich an ihr zerbricht. In der Verkörperung des innen einsam-verletzlichen, aussen wütend-verlorenen jungen Mannes überzeugt hier einmal mehr Joel Basman. «Der Büezer» atmet viel Authentizität. Einerseits durch das Zürcher Lokalkolorit, auf der anderen Seite aber auch, weil er durch die Ermangelung an Geld und Produktionszeit eine persönliche, nahbare Geradlinigkeit erfährt. Augenscheinlich nimmt er sich englischsprachige Arbeiterklassemilieu-Filme zum Vorbild, versteht es aber trotzdem, wichtige Fragen um den eigenen Wert in der Gesellschaft und die Sinnsuche in ihr auf unsere Gefilde und unsere Zeit herunterzubrechen.

Sarah Stutte, Filmjournalistin

«Der Büezer», Schweiz 2019, Regie: Hans Kaufmann, Darsteller: Joel Basman, Andrea Zogg, Cecilia Steiner, Verleih: Milieu Pictures, http://www.milieupictures.ch

Kinostart: 12. September 2019