Depuis qu’Otar est parti
Seit Otar tot ist, schreibt er so schöne Briefe. Nur weiss seine alte Mutter Eka in Tiflis nicht, dass er gestorben ist. Ihre Tochter Marina und Enkelin Ada verschweigen es und erhalten mit den erfundenen Briefen der alten Frau die Illusion, Otar gehe es im fernen Paris ganz wunderbar. Doch eines Tages beschliesst Eka, nach Paris zu reisen, koste es, was es wolle.
Der Film setzt drei Generationen im heutigen Georgien in Szene. Er zeigt, wie sich drei Frauen eine alte Wohnung teilen, wie sie sich streiten, wie sie schweigen, wie sie sich pflegen. Es ist mühsam, Geld zu verdienen, und doch findet sich immer ein Weg. Die Sehnsucht der Grossmutter und ihrer Enkelin richtet sich auf das ferne Frankreich: Paris. Dagegen wirkt die mittlere Generation der Mutter, die im Sowjetsystem aufwuchs, desillusioniert und lieblos. Die Abwesenheit von Otar bedeutet für alle drei etwas anderes, und schliesslich wachsen ihre Beziehungen dadurch, dass sie sich der Tatsache stellen müssen, dass Otar für immer fort sein wird.
Mit ihrem ersten Spielfilm hat Julie Bertuccelli ein Kammerspiel arrangiert, das von drei grossartigen Schauspielerinnen lebt, die trotz ihrer eigenen Charaktere ein Familienbild abgeben. Ganz leise erzählt der Film auch vom alltäglichen Täuschen, von Lügen und Selbstbetrug und davon, wo diese zum Leben passen und wo nicht.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Depuis qu’Otar est parti», Frankreich 2003, Regie: Julie Bertuccelli, Besetzung: Ester Gorintin, Dinara Droukarova, Nino Khomasuridze, Verleih: Xenix Filmdistribution, Internet: http://www.xenixfilm.ch
