Dem Tod ins Gesicht sehen
Vor dreissig Jahren ist die in den USA lebende Schweizer Ärztin Elisabeth Kübler-Ross mit ihrem Buch «Interviews mit Sterbenden» weltberühmt geworden. War das Sprechen über Sterben und Tod bis dahin weitgehend tabu, so wurde es fortan nicht nur in der Seelsorge am Krankenbett, sondern auch in Hörsälen und im Unterricht zum Thema. Man entdeckte darin eine Chance, dem Leben eine zusätzliche Qualität abzugewinnen. Allerdings stiess Kübler-Ross mit so genannten Beweisen für ein Leben nach dem Tod auch auf Kritik. Und als sie Ende der 70er Jahre in Kontakt mit einer kalifornischen Sekte stand und später in die Nähe esoterischer Vorstellungen rückte, erntete sie vielerorts Unverständnis und Ablehnung.
Stefan Haupt gelingt ein differenziertes, spannendes und bewegendes Porträt über die umtriebige und noch im Rollstuhl unbeirrbar und vital wirkende Sterbeforscherin. Die in ihrem Heim in Arizona gedrehten Gespräche verknüpft er geschickt mit informativen Foto- und Filmdokumenten, mit Erinnerungen ihrer beiden Drillingsschwestern sowie mit Kommentaren von Mitarbeiterinnen. Er schlägt damit einen vielschichtigen Spannungsbogen zwischen ihrer Neugierde als achtjährigem Mädchen beim Besuch eines schwerkranken Nachbarn, ihrer herausragenden beruflichen Entwicklung und ihrer schwierigen Lebenssituation nach mehreren Schlaganfällen.
Hans Hodel, Filmbeauftragter Reformierte Medien
«Dem Tod ins Gesicht sehen», Schweiz 2002, Dokumentarfilm, Regie: Stefan Haupt, Verleih: Frenetic Films, Bachstrasse 8, 8038 Zürich, Telefon: ++41 (0)1 483 06 60, Fax: ++41 (0)1 483 06 61, E-Mail: mailto@frenetic.ch, Internet: http://www.frenetic.ch
Kinostart: 16. Januar 2003
Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden:
https://www.medientipp.ch/film/filmtipp_0103.pdf
