Dem Himmel zu nah
Ihre Schwester Elisabeth begeht mit nur 19 Jahren Suizid. Zuvor litt sie unter Magersucht, Drogen- und psychischen Problemen. Gut zwanzig Jahre später springt ihr Bruder Marius 2009 von einer Brücke in den Tod. Auch er war in psychiatrischer Behandlung, kämpfte gegen Heroinabhängigkeit an.
Der Verlust lastet schwer auf Regisseurin Annina Furrer und ihrer Familie. Diskussionen über das eigene Bild vom Tod und den Wert des Lebens sind zwischen ihr, der Mutter und dem jüngeren Bruder dennoch möglich. Einzig der Vater verschliesst sich der dokumentierten Aufarbeitung der Tragödie, weil er den Schmerz mit sich persönlich zu verarbeiten sucht. Die Regisseurin spricht auch mit dem damaligen Bestatter ihres Bruders, dem Leiter der psychiatrischen Klinik, in der Marius behandelt wurde, sowie mit seiner Lebenspartnerin. Dies in ruhigen, winterlichen Bildern, in denen der Schnee jedes Geräusch schluckt und die dichten Flocken sich still auf die Seele legen. Dazwischen Fotos aus glücklicheren Tagen. Elisabeth, die Risikofreudige. Marius, der fröhliche Junge, der als Vierjähriger von der Familie adoptiert wird. Dank Audioaufnahmen ist er ebenfalls anwesend, genauso wie seine Schwester in ihren Aquarellzeichnungen. «Ich hatte mit Marius Haschisch geraucht und fühlte mich dem Himmel zu nahe», schrieb Elisabeth in einem Brief. Ein berührendes Familienporträt, dessen Sinnsuche mit der Einsicht endet, dass Liebe keine Ziele haben kann, sondern einfach ist.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
«Dem Himmel zu nah», Schweiz 2015, Regie: Annina Furrer, Dokumentarfilm mit Annina Furrer, Karin Furrer, Jonas Furrer; Verleih: Filmbringer Distribution, http://www.filmbringer.ch; Filmwebsite: http://www.demhimmelzunah.ch
Kinostart: 24. März 2016
