De rouille et d`os

Der Körper an seiner äussersten Grenze ist zentrales Motiv in Jacques Audiards Film. Ali, der sich von Job zu Job hangelt, lotet die Grenzen absichtlich aus. Er nimmt an brutalen Untergrund-Boxkämpfen teil, um den Kick zu kriegen. Die Orca-Trainerin Stéph wiederum präsentiert ihren Körper gern in den Shows im Delfinarium. Als sie bei einem Unfall beide Beine verliert, hilft ihr ausgerechnet Ali zurück ins Leben, wenn auch auf unzimperliche Art. Er geht vor Stéph schwimmen, ohne Rücksicht auf die Gefühle der ehemaligen Wasserratte – und reisst sie mit. Ali selber aber scheint erst zu spüren und zu fühlen, als sein kleiner Sohn in Lebensgefahr schwebt und er seine ganze Körperkraft einsetzt, um ihn zu retten.

Audiard nutzt Zeitlupe und Nahaufnahmen, um Körper von Menschen in oft ungewöhnlicher Ästhetik aufzunehmen. Bei den Kämpfen spritzt Blut, fällt ein Zahn zu Boden, da spannen sich die Muskeln und wird geröchelt. Schmerzhaft nah ist die Kamera auch dabei, wenn Stéph ihre Prothesen auszieht, wenn sie sich mühsam am Boden fortbewegt, aber auch in erotischen Szenen, wo ein muskelbepackter und ein versehrter Körper aufeinandertreffen. «De rouille et d`os» ist ein intensiver, dramatischer Film, in dem Körper in ihrer ganzen Energie und zugleich grössten Verletzlichkeit gezeigt werden, oftmals untermalt von entsprechenden Lichtstimmungen.

Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch

«De rouille et d`os», Belgien/Frankreich 2012, Regie: Jacques Audiard; Besetzung: Marion Cottilard, Matthias Shoenaerts, Bouli Lanners; Verleih: JMH Distribution, Internet: http://www.jmhsa.ch

Kinostart: 18. Oktober 2012