De la cuisine au parlement – Edition 2021

«Das Wahlrecht für Frauen ist entgegen der weiblichen Natur» So argumentierten in den 50ern nicht nur die männliche Schweizer Bevölkerung, sondern auch verschiedene konservative Frauenverbände. Man wollte die Mütter und Hausfrauen nicht auch noch mit der Politik belasten.

Die Chronologie des Schweizer Frauenstimmrechts ist geprägt von vielen Rückschlägen und der Langsamkeit unseres politischen Systems. Umso mehr Beachtung sollte die Schweizer Geschichtsschreibung diesen unnachgiebigen Frauen schenken. Ihnen verdanken wir Frauen nicht nur das Recht auf den Urnengang, sondern auch auf die Mutterschaftsversicherung und das Recht auf Schwangerschaftsabbruch.

Stéphan Goël windet in der Neuauflage seines Dokumentarfilms aus dem Jahre 2011 den Frauen ein filmisches Kränzchen, die sich mit Humor und Engagement der Gleichberechtigung widmeten und widmen. Sein kritischer Blick deckt auf, dass sich seit den 50ern noch viel zu wenig bewegt hat in der Schweizer Gesellschaft. Auch heute noch werden beruflich stark eingespannte Mütter gefragt, wer zuhause nun die Kinder bekoche. Lise Girardin, die erste Frau im Genfer Grossen Rat, antwortete in den 70ern auf diese Frage schlagfertig: «Es gibt Kühlschränke, die erleichtern das Leben.»

«De la cuisine au parlement – Edition 2021» ist ein wunderbar leichtfüssiges Zeitdokument, das aktuelle gesellschaftspolitische Probleme im geschichtlichen Kontext beleuchtet und kommentiert. Eine nachhaltige Geschichtsstunde für jede*n!

Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp

«De la cuisine au parlement», Schweiz 2021, Regie: Stéphan Goël; mit Beteiligung von: Marina Carobbio, Ruth Dreifuss, Marthe Gosteli, Verleih: First Hand Films, Filmseite: https://www.firsthandfilms.ch/de/von-der-kuche-ins-parlament/

Der Film ist online an den Solothurner Filmtagen im Programm.

Am 25. Januar findet ein Filmgespräch mit dem Regisseur statt.

Voraussichtlich ab April in den Kinos.